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St. Stephani-Kirchengemeinde Meine

Kapelle Vordorf

Chronik der Vordorfer Kapelle
Hans Falk Vordorf 2014

Entstehung der Kapellengemeinde

Der Name Vordorf – 1022 Wrthorp geschrieben – kommt von Furche, das heißt Grenze, was auch in kirchlicher Hinsicht von Bedeutung war. Bis in die Reformationszeit verlief die Grenze zwischen den Bistümern Halberstadt und Hildesheim zwischen Vordorf und Rethen. Zugleich soll diese Linie auch die westliche Grenze des sächsischen Derlingaus – wohl von Karl dem Großen eingerichtete Grafschaft – gewesen sein. Eine von Willi Rinkel 1938 erstellte Skizze zeigt den ungefähren Grenzverlauf und entspricht der Hildesheimer Grenzbeschreibung. Die Halberstädter Beschreibung zeigt im Papenteich die Oker als Grenze (Meibeyer, 2004). Vordorf gehörte also im Mittelalter zum Bistum Halberstadt.
Nach der Unterwerfung Sachsens nahm Karl der Große eine Aufteilung in Missionsgebiete vor, welche er fränkischen Missionsbischöfen übergab. Unser Gebiet wurde etwa ab 800 von Halberstadt, welches 827 zum Bistum erhoben wurde, christianisiert. Aufgrund der Lage an einem alten Dienstweg, der später Heerstraße wurde, errichtete man in Meine eine Kirche. Ein weiterer wichtiger Grund für den Bau der Meiner Kirche war aber auch die Nähe der alten Ding- und Kultstätte der Sachsen, an die die ,,Dingbänke“, ,,Aseneiche“ (Asen: germanisches Göttergeschlecht) und die Wüstung ,,Asenroth“ (Ochsenrode) nahe Vordorf erinnern. Die ehemaligen Heiden sollten sich jetzt in dem neuen Gotteshaus versammeln. Priester oder auch Diakone predigten dort muttersprachlich im Auftrag des Halberstädter Domstifts. Doch wird noch um 1000 berichtet, dass die Bauern weiterhin ihre Hausgötter verehrten.
Die wachsende Bevölkerung in den Dörfern machte es den wechselnden Priestern schwer, die Notwendige Seelsorge auszuüben. Selbstständig Landpfarrer mussten eingestellt und die bischöfliche Verwaltung verbessert werden. Archidiakone wurden eingesetzt, die die bischöfliche Gewalt in einem ,,Großkirchspiel“ ausübten. Meine war Sitz eines Archidiakonats, das sich etwa bis Fallersleben, Isenbüttel, Gifhorn, Bevenrode und Waggum erstreckte.
Für viele Gläubige war auch der Weg nach Meine zu mühsam, besonders die Fahrten mit Täuflingen oder den Toten, die in der geweihten Erde des damals einzigen Kirchhofs in Meine ruhen sollten. Folglich entstanden in einigen Dörfern Bethäuser und Kapellen. Diese wurden im Laufe der Zeit zu ,,Taufkirchen“ erhoben und erhielten einen eigenen Pfarrer. Als ,,Tochterkirchen“ blieben sie bis zur Reformation mit der ,,Mutterkirche“ in Meine verbunden.

Bau der Kapelle

Die spätgotische Kapelle in Vordorf wurde um 1500 erbaut und gehört damit zu den ältesten Kirchengebäuden im Kirchenkreis Gifhorn.
Zur Zeit ihrer Erbauung besaß Vordorf etwa 150 Einwohner, die in vier großen Ackerhöfen und elf Bauernstellen lebten, welche sich um die Kapelle gruppierten.

Datierung der Erbauung nach Gutachten für das Amt für Bau- und Kunstpflege:
  Jahrhundert (Brunk, 1981)
  gotische Zeit (Kummer, 1987)
 
spätgotisch um 1500 (Klose, s. Literaturverzeichnis)
  Turm:
    Anfang 19. Jahrh.    (Kummer, 1987)
    1874                      (vorliegende Quellen)

Der kleine Mauereinlass in der östlichen Wand hinter dem Altar ist Zeugnis für die Erbauung unserer Kapelle in der noch katholischen Zeit. Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Tabernakel, einen Aufbewahrungsort für die Hostien (Oblaten) der Eucharistiefeier (entspricht dem evangelischen Abendmahl).
Die etwa 90 cm starken Wände bestehen aus einem Bruchsteinmauerwerk, vorwiegend Kalkstein, das später mit einem Außenputz versehen worden ist.
Am Ostgiebel erkennt man auf dem Dachfirst ein gotisches Steinkreuz. Die im unteren Bereich 50 cm starken Wände des Turmes bestehen aus einem außenseitig verfugten, innenseitig verputzten Ziegelmauerwerk. Die beiden westseitigen Turmecken sind durch je einen 70 cm breiten Strebepfeiler verstärkt.
Das Gesims des Turmes besteht aus auskragenden Ziegelsteinschichten. (Brunk, 1981)

Eine 1987 durchgeführte Untersuchung von Wänden und der Decke auf Reste alter Farbigkeiten lässt Rückschlüsse auf den ursprünglichen Bauzustand zu.
Da hatte sich die Tür in der Nordwand befunden, und deren Gewände wurde dann bei dem Bau der jetzigen Innentür in die Westwand gesetzt, wo sich vorher ein Fenster befand. Heute ist dieser spitzbogige Kapelleneingang im Innern des erst im 19. Jahrhundert erbauten Glockenturms, die innere Tür stammt aus der Zeit um 1700. Im Eingangsbogen, einem spätgotisch profilierten Gewände, befindet sich am Mauerwerk ein Doppelpfeil als Steinmetzzeichen – das sind Handwerkszeichen für ganz alte Bauten. Vor 1931 waren noch sieben dieser Zeichen zu erkennen (Kieker/Lütgens, 1931). Klose vermutet, dass diese bei der Renovierung 1946 entfernt wurden.
In der Südwand stellte man zwei vermauerte Fenster fest, eines in der Ost-, das andere in der Westhälfte der Wand. Die Ausmalung – vorwiegend Rankenwerk – berücksichtigte diese Fenster. Im Laufe der Zeit ist sie von etwa sieben Kalkanstrichen überdeckt worden.
Die Holzdecke ist offensichtlich später eingezogen worden und war mit Lehm sowie einem Kalkputz verputzt. (Kummer, 1987)
Im Oktober 1993 ist die Kapelle Vordorf in das Verzeichnis der Kulturdenkmale – Baudenkmale – eingetragen und damit dem Denkmalschutz unterstellt worden. Begründet wurde diese Eintragung mit der geschichtlichen Bedeutung des Bauwerks, „an der ein öffentliches Interesse bestehe“.

Die Glocke

Die im Turm hängende Glocke stammt aus dem Jahr 1514. Es ist allerdings noch ungeklärt, ob sie schon gleich nach dem Guss ihren Platz in Vordorf gefunden hat. Nach Überlieferungen existierte ursprünglich an der Kapelle ein Holzturm, der derzeitige Turm ist erst 1874 errichtet worden. Die Glocke wurde von dem Gießer Hinrik Mente in Braunschweig gegossen. Neben weiteren Glocken im Braunschweiger Raum fertigte er die Glocken der ehemaligen Kapelle in Kl. Steimke (1513) und die der Kirche von Päse (1512) an. Letztere weist viele Ähnlichkeiten mit der Vordorfer Glocke auf: auf dem langen Feld das Hochbild der Maria mit dem Kind, auf der Gegenseite einen Bischof mit dem Stab und die gleiche Gestaltung des Ornamentstreifens. Die Vordorfer ,,Umschrift in gotischen Kleinbuchstaben lautet: ,god lad des one alle neten marya schal yck heten Hynrick menten me fecit XV XIIII’ (Gott laß‘ das ohne alle Nöte. Maria soll ich heißen. Heinrich Menten hat mich gemacht 1514). Zwischen den einzelnen Worten befinden sich verschiedene erhabene, kleine Figuren wie Fisch, Engel und Spielmann, charakteristisch für die Glocken von Menten.“ (Klose, 1987, S. 78)
Hinrik Mente (geb. um 1475, gest. 1531) entstammte einer bekannten Braunschweiger Gießerfamilie, er war Sohn des gleichnamigen Bronzegießers (gest. 1516). Der Vater wohnte nachweisbar seit 1460 in der Kannengießerstraße, wo im Mittelalter Kannengießer sowie Glocken- und Geschützgießer ansässig waren. Die Glocken- und Geschützgießer zählten damals in Braunschweig zu den freien Künstlern und nicht zu den Handwerkern. Mente kaufte 1512 ein großes Grundstück an der Echternstraße, welches unmittelbar an der Stadtmauer lag und damit eine mögliche von der Werkstatt ausgehende Feuergefahr verringerte.
Für die Stadt Braunschweig fertigte Hinrik Mente – anfangs gemeinsam mit seinem Vater – etwa 50 Geschütze an. Weiterhin stellte er bronzene Glocken und Taufbecken für die Kirchengemeinden der Stadt und des Umlandes her. Wegen der Namensgleichheit sind die Werke nicht eindeutig dem Vater oder dem Sohn zuzuordnen. Einige ausgewählte Werke sind:

1508 Taufbecken in Tangermünde
1509 Glocke für Klein-Winnigstedt
1509/10 Taufbecken für St. Sixti in Northeim
1511 Glocke für das St. Ludgeri-Kloster in Helmstedt
1513 Glocke ,,Nikolaus“ in der Stiftskirche Gandersheim
1515 Geschütz ,,Rumetasche“ für Goslar
1515 Glocke zu Schmedenstedt bei Peine
1515 Glocke für Altencelle
1518 Glocken der Magnikirche in Braunschweig

1958 stellte Firma Karl Blume, aus Holle bei Hildesheim, fest, dass die Glocke ,,in direkter Sprunggefahr“ hing, sich ,,gefahrvoll und schwer läuten ließ, was eine Gefahr für den Läuter darstellte.“ Daraufhin wurde die Glocke abgenommen, damit verschiedene Maßnahmen zur Sicherung der Glocke und Verstärkung des Glockenstuhles durchgeführt werden konnten.
In diesem Zeitraum wurde auch eine neue kleine Uhrschlagglocke von der Firma Schilling, Heidelberg, gegossen und an der Turmhaube angebracht. Die alte Glocke War im zweiten Weltkrieg beschlagnahmt worden.
Bei der Glockenrevision 1973 wurde festgestellt, dass der Holzglockenstuhl ,,schiebt“, was sich aber nicht auf den gesamten Turm auswirkte, da der Glockenstuhl frei steht. ,,Die Glocke hängt in einem geraden Eisenjoch. Sie wird mit der Hand geläutet. Durch ein Läuterad ist ein leichtes und ausgeglichenes Läuten möglich.“
1979 bemerkte der Glockenrevisor, dass sich der Glockenstuhl besonders an der Südseite bewegte, und empfahl eine Versteifung bzw. Verstärkung.
1991 wurde das Problem im Rahmen der großen Kapellensanierung gelöst; zugleich installierte die Firma Gröhnke, Holle, eine neue Läuteanlage. Diese wurde 2013 von den Herforder Elektromotoren-Werken erneuert und das mechanische Uhrwerk durch eine elektrische Funkhauptuhr ersetzt.

Die Kanzel

Im schlichten Innenraum der Kapelle ,,fällt die schön geschnitzte, hölzerne Kanzel auf. Sie besitzt keinen Schalldeckel und ruht auf einer barocken Holzsäule. Vor die Kante der Brüstung sind Rundsäulen gesetzt. Das Schnitzwerk an der Kanzel deutet auf eine Entstehung um 1650 hin. In der rechten mittleren Füllung sind zwei Wappen angebracht, unter dem einen die Buchstaben M I C, unter dem andern A M. Darüber schweben zwei Putten, die eine Bibel in den Händen tragen. Die linke Tafel zeigt ein farbiges Bild.“ (Klose, 1987, S.78)
1987 stellte der Restaurator Kummer fest, die „jetzt monochrom (einfarbig) gestrichenen drei Füllungen zeigten ursprünglich wohl die restlichen drei Evangelisten. Offensichtlich wurde die Kanzel nicht für diese Kirche gebaut.“ Die Herkunft der Kanzel bleibt also ungeklärt.
Im Rahmen der Sanierungsarbeiten 1988 wurde die Kanzel in der Werkstatt von Wolfgang Kummer, Pattensen, eingelagert und permanent auf ihren Zustand hin beobachtet, Erst im Jahre 1991 fanden die umfangreichen Restaurierungsarbei-ten statt. Heute ist die wieder farbige Kanzel der Blickfang in unserer Kapelle, besonders stechen die drei Gemäldetafeln und der Wappenaufsatz hervor.

 

Kirche, Kirchhof und Schule

Seit Ende des 17. Jahrhunderts stand die „alte Schule“ in unmittelbarer Nähe westlich der Kapelle. Der heutige Turm wurde 1874 an Stelle eines alten Holzturmes von Maurermeister Heuer aus Meine und Zimmermann Johann Heinrich Schaper aus Vordorf im neugotischen Stil errichtet. Die Datierung einer verwitterten Zeitung, die sich in der Kugel unter der Wetterfahne befand, lässt vermuten, dass im Januar 1875 die Bauarbeiten abgeschlossen waren. Am Zeitungsrand konnten die verblichenen Worte „Bosse, Vorsteher in Vordorf“ entziffert werden, ein Beweis für den Abschluss der Bauarbeiten. Am 12. August 1875 brannte die alte Schule ab, und der neue Turm der Kapelle hatte ein Überspringen des Feuers auf die östlich gelegenen Gehöfte verhindert. Nach dem Brand wurde die Schule an derselben Stelle wieder aufgebaut. In dieser Zeit lebten in Vordorf etwa 300 Einwohner. 1949 begann die Gemeinde mit der Planung eines Schulneubaus. Da das alte Gebäude zu viele bauliche Mängel aufwies, sollte dieses abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Doch die Nähe der Kapelle und die Umgestaltung des Dorfplatzes erwiesen sich als problematisch, sodass man sich für den heutigen Standort entschied. Dort konnte 1952 der Schulbetrieb aufgenommen werden.
Danach sollte das alte Schulgebäude veräußert werden, doch traten ungeklärte Besitzverhältnisse auf, mit denen sich Gemeinderat, Kapellenvorstand und Landeskirche auseinandersetzen mussten.
1948 vermerkt Pastor Rauterberg in einem Schreiben an die Landeskirche: „Der Grund und Boden, auf dem die Kapelle steht, ist 2 1/2 ar groß und steht auf dem Namen Kapelle Vordorf. Der alte Friedhof in Grösse von 6 ar liegt neben der Schule, ist seit Jahren eingeebnet und an die Schulgemeinde verpachtet… Außerdem sind der neue Friedhof (heutiger) in der Grösse von 6 ar Eigentum der Kapellengemeinde Vordorf und stehen auf dem Namen ,Kapellengemeinde Vordorf‘.“
lm April 1955 fassten der Kirchenvorstand Meine und der Kapellenvorstand Vordorf folgenden Beschluss: Die Kapellengemeinde gibt an die Schulgemeinde den alten Friedhof in der Größe von 6,43 ar (Flurstück 98), die Kapellengemeinde erhält von der Schulgemeinde um die Kapelle eine Fläche von 2,75 ar und an der B 4 ein Flurstück in der Größe von 3,68 ar ( Flurstück 245/3).
Die ausführliche Begründung zu diesem Beschluss zeigt die Problematik des Grundstückstausches sowie die damaligen kirchlichen und politischen Ziele der Gemeinde Vordorf auf. Nach dieser Darstellung gehörte von jeher nur das Baugrundstück der Kapelle (0,86 ar) der Kapellengemeinde. Anliegender Hofraum und Garten waren im vergangenen Jahrhundert – wie aus alten Dienstanschlägen der Schule Vordorf hervorgeht – Eigentum der Schule. Es ist damals mindestens zweimal versäumt worden, der Kapellengemeinde ein Recht auf eigene Zuwegung und einen Streifen Land tun das Gebäude auszuhandeln.
1896 wurde laut Eintragung beim Amtsgericht Gifhorn das Grundstück Gemeinde Vordorf „Kirchhof im Dorf“ (Flurstück 98) mit 6,43 ar der Kapellengemeinde zugeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war bereits der neue Friedhof eingerichtet worden. 1891 soll die letzte Bestattung auf dem alten Friedhof stattgefunden haben, und 1940 soll dieser eingeebnet worden sein (Grasshoff, 1965). Über die Zuwegung zur Kapelle wurde nicht verhandelt.
1929 erfolgte die Trennung von Kirchen- und Schulamt in Vordorf Gemeindeausschuss, Schul- und Kapellenvorstand stellten fest, dass kein gemeinsames Schul- und Kirchenvermögen vorhanden sei. Da die Mitglieder aller drei Gremien zugleich Angehörige der Kapellengemeinde waren, hielt man Differenzen für ausgeschlossen und verzichtete darauf, die Fragen der Zuwegung und des Hofraums für die Kapelle zu verhandeln. An die Möglichkeit eines Verkaufs des Schulgrundstücks ist 1929 nicht gedacht worden.
1955 sehen Kirchen- und Kapellenvorstand wegen der unglücklichen Nahe von Turm und Hausecke der Schule keine andere Lösung als den oben angeführten Landtausch.
Die Landeskirche Hannover verweigerte die Zustimmung und wollte den alten Schulhof gegen den als Garten genutzten alten Friedhof tauschen. Vermutlich wollte man Platz für eine Erweiterung der Kapelle oder den Bau eines kirchlichen Gemeindezentrums lassen. 1955 war die Einwohnerzahl Vordorfs auf knapp 900 Einwohner angewachsen, davon gehörten etwa 700 zur Landeskirche.
Dem hielten Kirchen- und Kapellenvorstand entgegen, dass der Ort sich nach Süd-Westen in Richtung Eickhorst entwickelt. Daher habe man am neuen Friedhof ein Grundstück für eine Erweiterung des Friedhofs oder den Bau kirchlicher Gebäude vorgesehen. Auch könne die Friedhofskapelle ausgebaut und mit mehr Sitzplätzen als Kirche genutzt werden, die auch zentraler im sich vergrößernden Dorf läge.
Das Landeskirchenamt erwiderte, dass man derzeit nur genügend Freiraum um die bestehende Kapelle wolle.
Erst 1962 wurde das Verfahren abgeschlossen und der Landtausch – wie 1955 vorgeschlagen – notariell vereinbart.

(ÜberIieferte) Sanierungen der Kapelle

Als 1988 die Kirchturmspitze völlig erneuert wurde, fand man in der goldenen Kugel ein verschweißtes Kupferröhrchen, in dem Schriftstücke aus den Jahren 1926 und 1965 waren. In diesen wird Folgendes berichtet:

1926

„Am 6. März des Jahres nachmittags 3.15 schlug bei einem kurzen Gewitter der Blitz in den Turm der Kapelle, ohne jedoch zu zünden. Er deckte die Westseite des Turmes ab und zerstörte u.a. die Fensterscheiben über dem Eingang. Ein Teilstrahl sprang auf die Schule über und beschädigte das Dach und die elektrische Lichtleitung. Ein anderer ging an einer von der Turmluke nach Waltemaths Hause führenden Radioantenne entlang und richtete in diesem einigen Schaden an. Die Aachen-Münchener-Versicherungs-Gesellschaft, bei der Kapelle und Schule versichert waren, schätzte den Schaden am Turm auf siebenhundert und den am Schulgebäude auf einhundertvierzig Mark ab.
Durch Dachdeckermeister Steckhan Meine wurden die vier Westseiten des achteckigen Turmes mit neuen Schieferplatten gedeckt und die vier Ostseiten ausgebessert. Bei dieser Gelegenheit holte man auch Knopf, Wetterfahne und das Zifferblatt der Uhr herunter. Heute am 3. April werden die beiden ersteren nach erfolgter Vergoldung durch Malermeister Otte Vordorf wieder hinaufgebracht.“
In dem Schriftstück von 1926 wird auch auf die entdeckten Zeitungsreste von 1875 verwiesen.
Ein weiteres Blatt gibt Auskunft über die Familien und Gehöfte in Vordorf.
Abschließend werden die Ergebnisse der Volkszählung vom 15. Juni 1926 genannt: Vordorf zählte 464 Einwohner, die Schule wurde von 52 Kindern, davon 24 Jungen und 28 Mädchen, besucht. Unterzeichnet haben das Schriftstück Kirchenvorsteher Eggeling, Gemeindevorsteher Lütge und Pastor Grimm.

1946

Schon kurz nach Kriegsende ließ der Kapellenvorstand die Kapelle renovieren. Es handelte sich aber nicht tun Kriegsschäden, von denen Vordorf glücklicherweise verschont geblieben war. „Sämtliche Materialien, die für diese Arbeiten benötigt wurden, waren auf dem Tauschwege (Lebensmittel) beschafft worden.“ (Grasshoff, 1965)

Das Schreiben über die Einweihung der Kapelle am 27. Oktober 1946 berichtet eindrucksvoll über die Renovierung, der Verfasser ist nicht bekannt:
„Nachdem die Kapelle in Vordorf seit Jahrzehnten keiner besonders gründlichen Reparatur unterzogen war, hat der Kapellenvorstand zu Vordorf in seiner Sitzung am 18. März 1946 beschlossen, die Kapelle, die von den Vorfahren in alten Zeiten erbaut ist, gründlichst zu erneuern und reparieren zu lassen. Das war in diesen Zeiten mit mancherlei Schwierigkeiten verknüpft. Aber Gott, der Herr, hat auch zu diesem Vorhaben seinen Segen gegeben. Dieses kleine Gotteshaus durfte eine Erneuerung erfahren, zu der die Gemeinde Vordorf schon ihren Vorfahren gegenüber verpflichtet war, und über die wir uns alle herzlich freuen.
Im Frühjahr dieses Jahres 1946 wurde mit den ersten Instandsetzungsarbeiten begonnen. Die Malerarbeiten nahmen besondere Zeit und Kraft in Anspruch. Das Dach wurde gründlich repariert. Dann lag im Sommer die Arbeit einige Wochen still. Die Kapelle ist ganz neu vermalt worden. Mit grossem Fleiss und grosser Liebe hat der Malermeister Adolf Brandes Vordorf, schöpfend aus seiner Erfahrung als Mitarbeiter bei dem Kirchenmaler Prof. Cotta, Hannover, die Malerarbeiten, besonders die Malereien an den Deckenbalken durchgeführt. Der Kapellenvorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden, dem zeitigen Pastor Paul Rauterberg, Meine, dem Altenteiler Ernst Lütge, Vordorf, dem Bauern Ernst Bosse, Vordorf, dem Landwirt Otto Buhmann, Vordorf, und dem Bauern Heinrich Otte, Vordorf, hat sich jederzeit für die Durchführungsarbeiten interessiert und die Reparaturangelegenheiten nach besten Kräften gefördert. Das Altarkreuz wurde vom Tischlermeister Otto Schaper, Vordorf, kunstvoll angefertigt. Die beiden alten Eichenbohlen, aus denen das Kreuz hergestellt wurde, stammen von einem alten Vordorfer Bauernhof. Das Kreuz auf dem Altar soll die Gemeinde Vordorf stets daran erinnern, dass sie Frieden und wirkliche Lebensgemeinschaft nur findet im Worte Gottes und unter dem Kreuze unseres Heilandes Jesus Christus.

Folgende Unternehmen führten die Gesamtreparaturarbeiten aus:
Malermeister Adolf Brandes, Vordorf,
Dachdeckermeister Heinrich Warnecke, Vordorf,
Tischlermeister Otto Schaper, Vordorf,
Maurermeister Heinrich Kielhorn, Meine,
Ingenieur Otto Urban, Braunschweig.

Allen diesen Geschäftsleuten gilt der Dank der Gemeinde Vordorf. Besonders dankt sie dem Malermeister Brandes für das Interesse und die Freudigkeit, mit der er die Arbeiten an der Kapelle durchgesetzt und gefördert hat. Dank sei auch gesagt dem Kapellenvorsteher Lütge, der sich stets um die Arbeiten gekümmert und für diese eingesetzt hat, und denen, die die Anlage des neuen Steinholzfussbodens gefördert haben.
Eine besondere Überraschung für Vordorf ist der neue Taufstein, ganz aus Holz sinnvoll hergestellt von dem Tischlermeister Otto Schaper, Vordorf. Die Gemeinde und auch die Nachkommen werden ihm für dieses feine Stück, das die Kapelle ziert, dankbar sein. Schon seit langem trachtete die Gemeinde danach einen Taufstein zu bekommen. Den ersten Grund zum Taufsteinfonds legte die Witwe Sophie Eggeling, Vordorf, durch die Spende eines Geldgeschenks aus dem Nachlass ihres Bruders Heinrich Bosse, Vordorf. Auch ihrer sei an dieser Stelle in herzlicher Dankbarkeit gedacht.
,Ehre sei Gott in der Höhe!‘
So steht es über dem Eingang der Kapelle geschrieben. Ihm sei Lob und Dank in Ewigkeit. Er segne die Gemeinde Vordorf und gebe allen die Kraft auf sein Wort zu bauen und dich ihm anzuvertrauen im Leben und Sterben.“
Aus dem Bericht des Lehrers Grasshoff lässt sich ergänzen, dass Malermeister Adolf Brandes auch ein Kanzelbild freigelegt und restauriert hat, das Holz für das Altarkreuz vom Hof Nr. 2 (Reinecke/heute Schofer) stammte und die Firma Urban einen Steinholzboden verlegte.

1963 – 1965

Anfang der 60er Jahre wurde das Kapellendach neu gedeckt und die Kapelle mit einem frischen Außenanstrich versehen. Auf dem bis dahin ungepflegten Kapellengrundstück wurde eine Rasenfläche angelegt, die von einem Jägerzaun umschlossen wurde.
„In der Kapelle Vordorf wird in diesen Tagen (November 1963) eine neue elektrische Heizung in Betrieb genommen. Dadurch ist es möglich, daß in Zukunft dort auch im Winterhalbjahr Gottesdienste abgehalten werden können. … Im Ganzen bietet die Kapelle Vordorf wieder ein erfreuliches Bild. Erfreulich ist auch der Gottesdienstbesuch, seitdem die monatlichen Frühgottesdienste eingeführt wurden. Wenn wir nun am Ende dieses Weges zurückblicken, so gilt unser Dank Pastor Hartmann und dem tatkräftigen Kapellenvorstand. Möge dieses schöne Gotteshaus noch lange ein Mittelpunkt der Gemeinde sein!“ (Verfasser unbekannt, 11. November 1963)
Im Oktober des Jahres 1965 erhielt der Dachdeckerobermeister Heinrich Warnecke, Vordorf, den Auftrag, das Dach des Turms der Kapelle mit neuen Schieferplatten zu decken und die Holzkonstruktion soweit notwendig zu erneuern. Gleichzeitig mußte die Wetterfahne mit Knopf und Eisenstange repariert werden und eine neue Vergoldung erhalten. Diese Arbeiten führte der Klempnermeister Albert Behlendorf, Meine, aus.“
Der Lehrer Grasshof hat das Schriftstück für diese Renovierung angefertigt und darin auch berichtet, dass schon 1946 das Innere der Kapelle renoviert wurde. Die Schlagglocke, die im 2. Weltkrieg beschlagnahmt worden war, wurde im Jahre 1959 durch eine neue ersetzt. Das Zifferblatt der Turmuhr wurde im Sommer 1964 gestrichen und die Ziffern vergoldet.
Anschließend beschreibt Grasshof knapp die Entwicklung des Dorfes über die Zeit vom Kriegsende bis zum Anfang der 60er Jahre.

1988

Doch die Kapelle litt unter erheblichen Feuchtigkeitsschäden durch Regen- und Grundwasser. Unzureichende Regenwasserableitungen sowie eine fehlende Drainage hatten zu Verwitterungen im Mauerwerk und zu erheblichen Rissen und Ausblühungen im Putz geführt. Auch der Unterbau des Gestühls war beschädigt.
lm Rahmen eines Ortstermins am 9. September 1980 mit dem Amt für Bau- und Kunstpflege wünschte der Kapellenvorstand noch die Erneuerung der „völlig unzureichenden“ Heizung, die Erneuerung der Fenster, die „Neugestaltung des Altares ~ bei Aufgabe des geradezu erschlagend wirkenden Altarkreuzes“, die „Aufgabe des sitzanatomisch ungünstigen Gestühls“ sowie „die Restaurierung der sehr schönen aus dem Jahr 1650 stammenden Kanzel“.
1981 wurden ein detailliertes Gutachten und ein Sanierungsvorschlag erstellt; als vordringlich sah man die Beseitigung der Ursachen für die Durchfeuchtung sowie die Turmsanierung an.
Die Vorbereitungen und die Finanzierungspläne dieser grundlegenden und umfangreichen Sanierung erforderten viel Zeit und Mühen. An dieser Stelle sei besonders dem Vorsitzenden des Kapellenvorstandes, Heinrich Reinecke, und Pastor Willi Löffelbein gedankt.
Als im September 1987 mit den Dacharbeiten begonnen wurde, stellte man im Turmhelmgebälk einen extrem starken Hausbockbefall fest. Damit war eine Sanierung der Holzkonstruktionsteile nicht mehr möglich, jetzt wurde eine komplette Turmhelmerneuerung erforderlich. Auch war das Gebälk im Turm so stark geschädigt, dass dessen Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet war. Dafür wurden Mittel von der Landeskirche aus einem Sonderprogramm für dringende Substanzerhaltungsmaßnahmen bereitgestellt. Im August 1988 wurden die Kirchturmspitze und die vom Hausbock befallenen Teile von den Zimmerleuten der Fallerslebener Firma Bengel sorgfältig abgetragen.
In diesem Zusammenhang barg man auch die goldene Kugel mit dem Wetterhahn, welche Unbekannte durch Schüsse mit einem Kleinkalibergewehr beschädigt hatten. In der Kugel befand sich das verschweißte Kupferröhrchen, welches vom Kapellenvorstand Heinrich Reinecke und Pastor Willi Löffelbein geöffnet wurde.
Mit Schlagzeilen wie „Ein Milliardenschatz” in der Kirchturmspitze“ (Gifhorner Rundschau, 02.08.88) berichteten die Lokalzeitungen von diesem Ereignis. Schon bei der Renovierung 1965 wurde das Röhrchen von Dachdeckermeister Heinrich Warnecke und Pastor Bornhak geöffnet. Die Allerzeitung berichtete damals: „lm Kirchturm ruhten 2,5 Milliarden Mark“. Diese lösten leider nicht die Finanzierungsprobleme, sondern es handelte sich um Inflationsgeld aus den Jahren 1920 bis 1923, das – wie einem beigefügten Handschreiben zu entnehmen war – von dem Gastwirt Ernst Eickenroth aus Vordorf gestiftet worden war.
Dieses Geld sowie die zuvor zitierten Schreiben wurden zusammen mit einer kurzen Dorfchronik über die Jahre 1986 bis 1988 (verfasst von Hans Falk) und einigen DM-Scheinen wieder im Kupferröhrchen eingeschweißt.
Am 10.10.1988 war es so weit: Mehrere Schaulustige beobachteten, wie ein Kran die neun Meter lange und zwei Tonnen schwere Turmspitze auf den zuvor sanierten Turm hievte, wo diese auf einem neuen Stahlbetonringanker befestigt wurde. Zum Teil sind auch alte Balken aus dem früheren Turm verwendet worden.
Anschließend konnte das Dach des Kirchenschiffs saniert werden – die Ziegel lagen ja schon länger bereit – und die Turmspitze wurde mit Naturschiefer gedeckt. Wetterhahn und Kugel nahmen frisch restauriert wieder ihren Platz ein. Die Zeiger des restaurierten Zifferblatts und das mechanische Uhrwerk wurden ab 1991 elektrisch gesteuert, allerdings erwies sich diese Anlage in späteren Jahren als sehr reparaturanfällig. Zeitgleich fand durch den hannoverschen Restaurator Kummer die Sanierung der Kanzel für 30.000 DM statt.

Die Renovierungen an den Außenwänden des Kirchenschiffs waren auch abgeschlossen worden. Offen blieb nach diesen kostenträchtigen Maßnahmen die Innensanierung. Durch das Grundwasser hatten Gestühl und Fußboden Schaden genommen, auch Deckenputz und Altar

waren restaurierungsbedürftig, ebenso benötigte man eine neue elektrische Anlage und Heizung.

1991

Mit weiteren finanziellen Mitteln konnte im Januar 1991 mit der Sanierung des Innenraumes begonnen werden. Um den Fußboden auszuschachten und mit einer dicken Kiesschicht zu verfüllen, mussten Bänke, Empore und Altar abgebaut werden. Für den Altar und die Empore wurden neue Betonsockel gegossen und für die Empore dann neue Balken eingesetzt. Auch die schadhaften und unbequemen Bänke wurden durch neue ersetzt. Mit der ebenfalls neuen Elektroinstallation bekam die Kapelle eine elektrische Heizung, und auch das Geläut wurde auf elektrischen Betrieb umgestellt – bis dahin wurde noch von Hand geläutet.
Abschließend legte man den Fußboden, malte die Kapelle aus und setzte neue bleiverglaste Scheiben ein. Diese wurden von Herrn Günter Grohs, Diplom-Glasgestalter aus Wernigerode, entworfen und von der Firma Derix, Taunusstein, hergestellt. Grohs absolvierte sein Studium im Fachbereich künstlerische Glasgestaltung an der Hochschule für Kunst und Design in Halle. Zahlreiche Fenster in Kirchen, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden sind von ihm entworfen worden, z. B. im Kloster Drübeck, Dom zu Halberstadt, Dom zu Hildesheim sowie in der Aula der Wilhelm-Raabe-Schule Wernigerode.
Da in dem kleinen Raum der Kapelle Vordorf die schön geschnitzte Kanzel nach der Restaurierung in ihren leuchtenden Farben hervorsticht, galt es, zu dem schlicht gehaltenen Altar Fenster zu schaffen, die den Raum nicht erdrücken und gleichzeitig einen Hintergrund zu dem gesprochenen Wort bilden. Daher verzichtete Günter Grohs auf Darstellungen und Symbole, stattdessen sollte das Glas, Innen‘ und, Außen‘ verbinden, wie ein transparenter Vorhang wirken. Schon die wechselnden Lichtverhältnisse eines Tages zeigen eine jeweils andere Wirkung der Fenster, was besonders in den bunten Glasstreifen erkennbar ist. Die durch die gotische Fensterform und den Eisenrahmen vorgegebene strenge Symmetrie wird jeweils nach oben hin aufgelockert. Das blaue Fenster hinter dem Altar symbolisiert die Frische und Weite des Himmels. Diese Gestaltung der Fenster soll dazu beitragen, dass in unserer unruhigen Zeit das Auge Zeit findet sich auszuruhen.
Am Pfingstmontag des Jahre 1992 fand im Rahmen eines Festgottesdienstes die Wiedereinweihung der historischen Kapelle statt. Pastor Michael Falk aus Adenbüttel erinnerte in seiner Festpredigt an den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem durch Salomon. Superintendent Cornelius Schacht überbrachte die Grüße des Kirchenkreises Gifhorn, und Bürgermeister Adolf Heidorn gratulierte als Vertreter der politischen Gemeinde Vordorf.
Mit Kaffee und Kuchen feierte die Kapellengemeinde den Abschluss der wohl gründlichsten und umfangreichsten Renovierung ihres Gotteshauses. Die Kosten für diese Instandsetzung betrugen rund 435 000 DM.

Gemeindefeste

1930

„Missionsfest. Kirchenvorsteher Eggeling in Vordorf bat mich [P. Rudolf Gurland, Pastor in Meine] gleich am Anfang, sie wollten gerne in Vordorf ein Missionsfest für sich haben. Am 2.6. fand es statt im Garten der Wirtschaft Wwe. Lütge (heute Heucke). Es war etwa von 250 Personen besucht. P. Hahn von der Brüdergemeinde sprach über Ziegenbalg [Begründer der ev. Mission in Südindien], ich über Rußlands Christenverfolgung. P. Bosse (Ribbesbüttel), ein gebürtiger Vordorfer Bauernsohn, sprach das Schlußwort. Es wirkten mit: Der Jungmädchenbund Meine, der Männergesangverein Vordorf und der Posaunenchor aus Leiferde.

Es erregte schon damals berechtigtes Ärgernis, daß die Jugend des kleinen Dörfleins sich durch eine Sportveranstaltung vom Missionsfest ferne hielt.“ (Bitter/Gurland, 1999, S. 104)

1987

Als vollen Erfolg wertete der Vorsitzende des Kapellenvorstandes, Heinrich Reinecke, das erste Gemeindefest in Vordorf, welches am 22.09.1987 auf dem Schulhof stattfand. Der von Pastor Hans Schmidt aus Adenbüttel gehaltene Familiengottesdienst wurde vom Posaunenchor Meinersen unter der Leitung von Bernd Voges, dem Gemischten Chor Vordorf unter der Leitung von Manfred Seidenstücker und dem Männergesangverein Vordorf unter der Leitung von Peter Klingsing mitgestaltet. Auch wirkten die Kindergruppe des Gemischten Chores unter der Leitung von Ruth Hille sowie Kirchenkreisjugendwart Matthias Rahlmann (Gitarre) mit. Über 300 Portionen Erbsensuppe wurden vom Frauenkreis ausgegeben, und später gab es eine reichhaltige Kaffeetafel. Leider musste ein Teil der Aktivitäten wetterbedingt in die Turnhalle verlegt werden, wo Margret Graf und Magdalene Lütge-Kalberlah einen Büchertisch mit kirchlicher Literatur aufgestellt hatten. Die Kinder hatten ihre Freude an Geschicklichkeitsspielen und einem Luftballonwettbewerb. Der Erlös sollte für Renovierungsarbeiten an der Vordorfer Kapelle verwendet werden.

1990

Das zweite Gemeindefest fand anlässlich des Erntedankfestes am 07.10.1990 in der Gaststätte „Zur Post“ statt. Dieses eröffnete Pastor Michael Falk aus Adenbüttel mit einem Festgottesdienst in dem mit Erntefrüchten reichhaltig geschmückten Saal, der randvoll mit Gästen besetzt war.
Anschließend unterhielten der Posaunenchor Meine unter der Leitung von Friedrich-Wilhelm Hering, der Gemischte Chor Meine-Vordorf und der Männergesangverein unter der Leitung von Peter Klingsing die Kaffeegäste. Kinder führten unter der Leitung von Bärbel Falk „Frederik, die Maus“ auf und spielten auf Blockflöten das Lied „Danke“ vor. Der Zauberer Zato aus Hamburg verblüffte mit einigen Tricks aus seiner Zauberkiste. Ein Dritte-Welt-Buchladen bot Lektüre an.

1998

Am 05.07.1998 wurde das Gemeindefest der St. Stephani Gemeinde in Vordorf gefeiert. Der Kirchenvorstand Meine hatte beschlossen, sein jährliches Fest in bestimmten Abständen auch in den Außendörfern dieser großen Kirchengemeinde zu veranstalten. Als Ort wurde wieder der bewährte Platz vor der Schule ausgewählt. Über das Fest berichtete die Allerzeitung wie folgt: „Auftakt war ein Open-Air-Gottesdienst, den (Pastor Jürgen) Holly quasi brandaktuell unter dem Motto ,Gewinner und Verlierer” an das am Vorabend verpatzte Weltmeisterschaftsspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angelehnt hatte. ,In der Gemeinsamkeit, so Hollys Fazit vor den Zuhörern, „sind alle Sieger”. Auch wenn Bertis Buben das möglicherweise anders sehen.
Doch nicht der Sport, sondern der Spaß stand im Mittelpunkt des Festes. So trug der Gemeinde-Kirchenchor unter Leitung von Martina Dymek nicht nur einige Lieder vor, sondern ahmte zur Erheiterung der Anwesenden auch die bekannten, „Comedian Harmonists” nach.
Auch der Posaunenchor unter Leitung von Emst Harms und die Vordorfer ,Dorfschwalben‘ sorgten für die musikalische Unterhaltung.“ Die Seniorentanzgruppe führte Tänze aus Israel und Deutschland vor. Weiterhin wurden Kinderspiele und kleine Spritztouren der Christlichen Motorradfahrer mit Diakon Gerd Höper angeboten. Der Erlös des Festes sollte in die Sanierung des Meiner Gemeindehauses fließen.

2009

Die St. Stephani Gemeinde feierte am 09.08.2009 wiederum ihr Gemeindefest vor der nunmehr nach Margret und Rolf Rettich benannten Grundschule in Vordorf. Nach dem Freiluftgottesdienst von Pastor Jürgen Holly standen das leibliche Wohl und die Unterhaltung auf dem Programm. Die Feuerwehrkameraden standen am Grill, Mitglieder des Sportvereins am Getränkestand und die Schützendamen am umfangreichen Kuchenbüffet. Posaunenchor, Kirchen- und Kinderchor von St. Stephani sowie ein Leierkastenmann unterhielten die zahlreich erschienenen Gäste. Auch die Seniorentanzgruppe bewies wieder, wie beweglich man noch im Alter sein kam. Die Kinder vergnügten sich hinter dem Schulgebäude auf einem großen Hüpfkissen des TSV, Sigrid Dannheim aus Meine bot Basteleien und Handarbeiten an, von deren Erlös neue Haus- und Krankenabendmahlgeräte angeschafft werden sollten.

2014

Anlässlich des 500jährigen Jubiläums unserer Glocke wird das diesjährige Gemeindefest am 06. Juli in Vordorf gefeiert.

Gottesdienste

1930 schreibt Pastor Rudolf Gurland in seiner Chronik über die Quartalsgottesdienste: „Viermal im Jahr versammeln sich in den vier Orten, drei Kapellen und in Abbesbüttel in der Schule die älteren Leute zu einem Nachmittagsgottesdienst um drei Uhr. Im Herbst und im Frühjahr ist Feier des hlg. Abendmahls mit dem Gottesdienst verbunden. Einer der Bauern muß den Pastor holen und wieder nach Hause fahren. Bei diesem wird gewöhnlich das Abendessen eingenommen. Zwischen Gottesdienst und Abendbrot macht der Pastor mit der Gattin Besuche (Hausabendmahl).“ (Bitter/Gurland, 1999, S. 104)
Die Quartalsgottesdienste im Januar 1931 fanden in Vordorf, Gravenhorst, Abbesbüttel und Wedesbüttel stets um drei Uhr nachmittags in den Schulen statt – Vordorf: Mittwoch, 14. Jan. (Pfarrgruß, November 1930)
Alteingesessene Dorfbewohner berichteten, dass nach dem 2. Weltkrieg in Vordorf selten Gottesdienste – häufig nur Quartalsgottesdienste – gehalten wurden. Meist ging man in die Meiner Kirche.
Im November 1963 schrieb der Vordorfer Kapellenvorstand an den Kreiskirchenvorstand, dass er in diesem Jahr eine elektrische Heizung angelegt hat, „so daß nun die Möglichkeit besteht, in der Kapelle auch im Winterhalbjahr Gottesdienste und Kindergottesdienste zu halten. Die Anlage der Heizung war notwendig geworden, seitdem der Gottesdienstbesuch bei den monatlichen Frühgottesdiensten in einem erfreulichen Maße wuchs.“
Mit Pastor Willi Löffelbein wurde in Vordorf ab 1977 regelmäßig am ersten Sonntag des Monats ein Gottesdienst gehalten.
Da die Einwohnerzahl in den Dörfern der St. Stephani Gemeinde weiterhin deutlich anstieg – z. B. in Vordorf von 751 Bewohnern 1961 auf 1066 1980 – die Pfarrstelle in Meine aber unverändert mit nur einem Pastor besetzt war, übernahm der Pastor von Adenbüttel/Rethen die seelsorgerische Betreuung unserer Kapellengemeinde. Kurzzeitig war das Pastor Hans Schmidt, dann aber zwanzig Jahre bis 2008 Pastor Michael Falk.
Zu diesem Zeitpunkt verfügte Meine über zwei Pastorenstellen, und bei der Regionalisierung des Kirchenkreises Gifhorn wurden Adenbüttel/Rethen Südwest und Meine/Vordorf der Region Südost zugeordnet.
Heute finden in der Kapelle neben den regelmäßigen Monatsgottesdiensten auch an den kirchlichen Feiertagen Gottesdienste statt, sowie Kindergottesdienste, Taufen, Grüne und Goldene Hochzeiten. Eine Besonderheit stellt in den letzten Jahren die Christvesper am Heiligen Abend dar, bei der auf Grund des großen Besucherandrangs die Vesper nach außen übertragen wird, dank der Hilfe von Frank Albert aus Meine. Musikalisch unterstützen uns der Männergesangverein und der Posaunenchor aus Meine.

Rechtliche Stellung der Kapellengemeinde heute

„Kapellengemeinden sind selbstständige Teile einer Kirchengemeinde, für die regelmäßig öffentlicher Gottesdienst in einem eigens dafür bestimmten Raum stattfindet.“ (§87, 2 der Kirchengemeindeordnung)
Die Kapellengemeinde Vordorf gehört auch heute noch zur St. Stephani Kirchengemeinde in Meine und wird vom dortigen Pfarramt seelsorgerisch und verwaltungsmäßig betreut. An den Sitzungen des Kirchenvorstandes Meine nehmen die Mitglieder des Kapellenvorstandes teil, aber nur der Vorsitzende ist stimmberechtigt. Die Kapellengemeinde verfügt über einen eigenen Haushalt, über den der Kapellenvorstand befindet. In diesem ist auch der Pfarrstelleninhaber vertreten. Da außer Gottesdiensten fast alle kirchlichen Veranstaltungen in Meine stattfinden, entscheidet der Kapellenvorstand im wesentlichen über die Vordorfer Gottesdienste und die Instandhaltung der Kapelle.

Literaturverzeichnıs

Archive: St. Stephani Gemeinde Meine
            Amt für Bau und Kunstpflege, Landeskirche Hannover

Bitter, Stefan/Gurland, Hans-Heinrich: Unsichtbare Kirche – Rudolf Gurlands Erleben des            Bolschewismus und Nationalsozialismus, Rheinbach 1999

Eichstädt, Ingrid/Conrad, Jürgen/v. Wintzingerode-Knorr,Karl-Wilhelm: Die Geschichte des            Raumes Gifhorn-Wolfsburg, Heimatkundliche Schriftenreihe der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Band 12, Gifhorn 1996

Falk, Barbara und Hans: Vordorfer Schulchronik, Vordorf 2012

Hundertmark, Edeltraud: Vordorf, Gemeindebeschreibungen für den Landkreis Gifhorn, Gifhorn 1975

Kieker, Oskar/Lütgens, Hans: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Hannover 1931, Band 18, S. 308-310

Klose, Heinz: Die Kapelle in Vordorf, in: Alte Kirchen und Kapellen im Raum Gifhorn-Wolfsburg, Schriftenreihe zur Heimatkunde der Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Band 3, Gifhorn 1987

Meibeyer, Wolfgang: Siedlungskundliches über den Papenteich und die Frage seiner -büttel-Orte, Schriftenreihe des Kreisarchivs Gifhorn Nr. 22, Gifhorn 2004

Meier, Henning: Chronik Meine, Meine 2006

Rinkel, Willi: Grafschaft Papenteich im Derlingau, in: Geschichtliches aus dem Papenteich, Meine 1983

ders.: Eine Grenze durchschneidet den Papenteich, in: s.o.

ders.: Archidiakonat Meine im Bistum Halberstadt, in: s.o.

Wikipedia: Hinrik Mente

Zeitungsberichte: Allerzeitung Gifhorner Rundschau

 

Weitere Informationen: Kirchengemeindelexikon Vordorf