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St. Stephani-Kirchengemeinde Meine

Kirchen und Kapellen

Die St. Stephani-Kirche in Meine

Die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers ist relativ jung. Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs sie zusammen aus den Kirchen der verschiedenen niedersächsischen, vor allem welfischen Herrschaften. Doch ihre Sprengel und Kirchengemeinden können auf eine lange und bewegte Geschichte zurückblicken, deren Beginn im frühen Mittelalter liegt.

Der Beginn des Christentums in Sachsen

Seit dem 8. Jahrhundert wurden die Friesen und Sachsen im Gebiet des heutigen Niedersachsen von England aus missioniert. Nachdem Kaiser Karl der Große die Sachsen besiegt hatte, begann er mit dem Aufbau einer festen Landes- und Kirchenorganisation. Dazu wurden unter anderem die Bistümer Hildesheim und Halberstadt gegründet. An größeren Orten entstanden bald darauf Pfarrkirchen und Klöster.
lm Auftrag des Bischofs Hildegrim von Chalons erschienen zwischen 802 und 827 im Meiner Raum Missionare, um das Christentum in diese Gegend zu bringen. Bischof Hildegrim war gleichzeitig Diaconus von Halberstadt. Ebenso wie in Meine wurden an zahlreichen Orten des späteren Bistums Halberstadt Archidiakonatskirchen als sog. Missionszellen errichtet, von denen die Christianisierung ausging.

Man setzte die Archidiakonatskirchen bevorzugt an belebte Straßen, was auch für Meine zugetroffen haben könnte. Auch orientierte man sich an vorchristlichen Kult-, Gerichts- oder Versammlungsstätten oder bereits vorhandenen christlichen Einrichtungen, z.B. Kapellen.
Als vorchristlicher heidnischer Platz scheidet Meine aus, da es wohl keine älteren Ansiedlungen im umgebenden Waldgebiet Papenteich gab. Der Ort Meine könnte an einer Heerstraße als Etappensiedlung gegründet sein.

Eventuell könnte eine christliche Einrichtung bereits vor Gründung der St. Stephani-Kirche in Meine bestanden haben, ein Beleg hierfür könnte der Name „Zellberg“ sein. Nachweise und verlässliche Überlieferungen sind nicht bekannt. Wie Sage und Überlieferung berichten, soll auf dem Zellberg eine altheidnische Kult- und Opferstätte bestanden haben, bevor hier eine erste christliche Einrichtung errichtet wurde.

Archidiakonat Meine

Die Kirche in Meine ist dem Heiligen Stephan geweiht – wie die anderen Urkirchen oder Archidiakonate in der Diozöse Halberstadt. Nach den Sachsenkriegen im frühen 9.Jahrhundert soll dies Bischof Hildegrim von Chalon (und später auch von Halberstadt) veranlasst haben.

Die Missionszellen des Bistums Halberstadt mit ihren 35 Kapellen aus dem 9. Jahrhundert wurden fast ausschließlich dem Hauptheiligen des Bistums Chalons und des Hochstifts Halberstadt, dem ersten christlichen Märtyrer Stephanus, geweiht. lm Raum Gifhorn ist er Schutzpatron der Kirchen Wittingen und Ochsendorf. Für Meine ist dieses Thema nicht geklärt, aber neben der Stephanus-Kirche gibt es weitere Belege für eine frühe Verwendung des Stephanus-Namens:

Während die Vergabe der Ortsnamen eine Angelegenheit des Grundherrn war, wurden die Flurnamen meist von den Siedlern und Bewirtschaftern vor Ort vergeben. Nach alten Verzeichnissen „hat der Pfarrer zu Meine seit undenklichen Zeiten 20 Morgen Acker auf dem großen und kleinen Stephans Campe zwischen Stapel und Stahlhop zehntfrei gehabt und davon etwas an die Kirche abgegeben“. Außerdem gehörten ihm in Vordorf 4 Morgen Land auf dem „hilligen Campe“ sowie eine Wiese im „Himmelreich“.

Die Meiner Pfarre überragte an Größe und Besitz schon von jeher alle anderen in der Gegend. Ihre Ländereien lagen nicht nur in Meine, Vordorf und Rötgesbüttel, sondern auch in Ausbüttel, Sülfeld, Waggum und Helmstedt.

Von Meine aus ging die Missionierung in die umliegenden vorhandenen oder neu gegründeten Dörfer im gesamten Papenteich. Die kirchlichen Neugründungen sahen in der Meiner Kirche ihre “mater“, ihre Mutterkirche. Diese Urpfarreien oder Sedeskirchen unterstanden unmittelbar dem Bischof. Lm Gegensatz zu den Bischofskirchen nannte man diese Gotteshäuser “ecclesia plebela“ (Volks- oder Leutkirche), die Geistlichen „plebanus“ (Pfarrer) oder „perner“ (Hilfspfarrer).

Der Bezirk der Meiner Urkirche umfasste den östlichen Papenteich mit Gifhorn, Wettmershagen, Ehmen, Bienrode, Grassel, Essenrode, Ribbesbüttel, Waggum, Jelpke. Bis zur Reformation war Meine Archidiakonat oder Bann.

Aus Meine gingen 14 Tochtergemeinden hervor, die zu unterschiedlichen Zeiten aus der Urkirche herausgelöst wurden, u.a.: Fallersleben (942), Ehmen (1160), Bienrode (1212), Ribbesbüttel (1226), Wettmershagen (1248), Essenrode (1248), Isenbüttel (1265), Gifhorn (1269), Sülfeld (1318), Bevenrode (1340).

Der Priester der Mutterkirche Meine unterstand einem Domherrn aus Halberstadt, der als Archidiakon die bischöfliche Aufsicht führte. Es gibt nur vereinzelte Informationen über die Archidiakone im Kirchbann Meine. 1265 wird der Vizedomherr Burchard von Halberstadt als „archidiaconus in Meinim“ bezeichnet, ferner 1291/97 Heidericus de Schartvelt, 1334 Borchard sen. von der Asseburg, Canonicus von Halberstadt, und 1340 Magister Thidericus als „archiadiaconus“ bzw. „vicedyaconus“ des Bannes Meine.

Der Archidiakon kam zwischen Ostern und Pfingsten zur Mutterkirche, um eine „Synode“ abzuhalten. Das war eine Kirchenversammlung, zu der die Geistlichen aller zum Bann gehörenden Gemeinden geladen wurden und zu der auch alle freien Männer aus diesen Gemeinden erscheinen mussten. Das Tun und Denken der frühen Christen stand unter strenger Aufsicht und Beurteilung der kirchlichen Obrigkeit. Sie trat dort strafend auf, wo man nicht gottgefällig lebte.

Die Synode fand in ihrem ersten Teil, zu dem nur der Klerus zugelassen war, in der Kirche statt. Nach einer Predigt des Archidiakon wurden bischöfliche Vorschriften für das Verhalten und die Amtsführung der Geistlichen verlesen. Dann begann der Domherr, dem auch die Strafgerichtsbarkeit über den Klerus zustand, mit der Prüfung der gegen diese Vorschriften begangenen Verstöße und mitgeteilten Mängel.

Dieser Teil der Synode hatte den Charakter einer Visitation, bei der auch die Amtsführung geprüft wurde. Danach wurde die Synode zum kirchlichen Gerichtstag, es versammelten sich alle Laien mit dem Klerus auf dem Kirchhof. Dieses geistliche Gericht war für alle seit der letzten Synode bekannt gewordenen Verstöße gegen die kirchliche Zucht zuständig.

Auf der Synode wurden Verstöße gegen das Eherecht und sonstige „grobe Fleischessünden“, Meineidssachen, Versäumnis der Osterbeichte, Verschmähung der Sterbesakramente, Religionsspötterei, Fluchen und Wahrsagen behandelt. Aber auch Schlägereien auf dem Kirchweg und auf dem Kirchhof, bei Kindtaufen oder Totenbier, Beleidigung der weltlichen Obrigkeit, der Eltern, Schwieger- und Großeltern waren häufige Anklagepunkte. Als Strafen wurden vom Archidiakon Kirchenbußen ausgesprochen. Auch bei bürgerlichen Streitigkeiten wurde die Entscheidung des Archidiakons angerufen und anerkannt.

Die Verbindung der Mutterkirche mit dem Sitz des geistlichen Gerichts, das über Jahrhunderte tätig war und auch in rein weltlichen Angelegenheiten von den Laien angerufen wurde, brachte den Mutterkirchen ein besonderes Ansehen. Auch bei dem Selbstständigwerden von früheren Kapellengemeinden blieben diese immer noch mit der Mutterkirche verbunden. Alle von hier aus gegründeten Gemeinden waren zudem verpflichtet, einen Beitrag zu den anfallenden Bau- und Reparaturkosten der Mutterkirche beizutragen.

lm 14. Jahrhundert war das Vermögen der Archidiakonate durch Ausgliederung, großzügige Schenkungen an Klöster, Übertragungen und Ablösungsverträge so verschlechtert, dass sie nicht mehr als lohnende Pfründe angesehen wurden. Mit dem 16. Jahrhundert brachte die immer stärker anwachsende reformatorische Bewegung schließlich die Aufhebung des Bistums Halberstadt. Mit der Reformation wurde 1536 das Archidiakonat Meine aufgelöst und die einzelnen Gemeinden wurden eigenständig. Die Amtsbefugnisse der Urkirche wurden auf die neugebildete Superintendentur übertragen, die mit der obersten Pfarrstelle zu Gifhorn verbunden war.

Reformationen

Die Reformation brachte tiefgreifende religiöse und kirchliche Veränderungen in den niedersächsischen Raum. Viele Menschen sprach Luthers Lehre von der bedingungslosen Liebe und Gnade Gottes an.
Allmählich öffneten sich die Fürsten der evangelischen Lehre und führten sie in ihren Ländern ein: zuerst 1525 im Fürstentum Lüneburg, damit auch im Papenteich, 1568 im Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel usw.
Nach und nach wurden Kirchenordnungen erlassen, die die Grundsätze der kirchlichen Lehre festlegten und auch das Schulwesen und die Versorgung der Armen regelten.
Oberhäupter der protestantischen Kirche waren nicht mehr der Papst und die Bischöfe, sondern die jeweiligen Landesherren in ihrem Herrschaftsgebiet. Zur Leitung der Kirchen wurden Konsistorien gegründet und die kirchliche Verwaltung eng in die staatliche eingebunden.

Nach den Wirren der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges galten im niedersächsischen Protestantismus Frömmigkeit, Toleranz und Friedensgesinnung als die zentralen christlichen Tugenden.
lm 18. Jahrhundert versuchten viele evangelische Pfarrer, die christliche Lehre mit der Aufklärung zu verbinden; sie warben für ein vernünftiges, praktisch ausgerichtetes Christentum. Rationalismus und Vernunftdenken wandten sich gegen den Aberglauben und warben für Toleranz unter den Religionen und Konfessionen, ließen aber auch die emotionale und soziale Seite der Kirche verblassen.
Dem trat ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Erweckungsbewegung entgegen. Sie forderte, den Eigenwert der Religion wieder mehr zu achten und Gottes Offenbarung in der Bibel und den Menschen stärker zu respektieren. Man griff die biblischen Aufgaben von Mission und Diakonie wieder auf: Missionswerke wurden gegründet, ebenso Krankenhäuser und Heime.

Nach 1815 gab es im Gebiet des heutigen Niedersachsen vier selbstständige Fürstentümer, darunter das Königreich Hannover, zu dem der Papenteich gehörte. Jedes Fürstentum hatte eine eigene Kirchenverwaltung, die dem jeweiligen Landesherrn unterstand.
ln der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte im Königreich Hannover unter dem Einfluss von Liberalismus und Bürgerlicher Revolution eine Demokratisierung der Kirche ein. Sie begann 1848 mit der Einführung von Kirchenvorständen, die einen Teil der Kirchengemeindeverwaltung vom Pastor übernahmen. Er war bisher alleiniges Oberhaupt seiner Gemeinde, nun wurde der Kirchenvorstand von den Gemeindegliedern demokratisch gewählt.
Nach 1866 richtete man in Hannover ein den bestehenden Konsistorien übergeordnetes Landeskonsistorium ein, das vom staatlichen Kultusministerium die Leitungsfunktion in den zentralen kirchlichen Angelegenheiten übernahm.

Die Kirchen des Heiligen Stephanus in Meine

Vom ältesten Kirchgebäude der Urpfarre Meine gibt es weder Aufzeichnungen noch Spuren. Die ersten Kirchen waren aus Holz gebaut. Der älteste Zeuge ist der Unterbau des heutigen Kirchturms, der 1458 errichtet wurde. Seine gewaltigen Mauern sind aus Bruch- und Werksteinen gebaut. Man erkennt an ihm die Schildbogen eines ehemaligen Kreuzgewölbes. Turmhalle und Kirchenschiff wurden durch einen Durchgang in gotischer Spitzbogenform miteinander verbunden. Die alte Kirche war ca. 39,20 m lang und 8,10 m breit. Ihre Mauern bestanden aus dem gleichen Gestein wie die des Turmes, aber hatten nicht seine Stärke. Die Decke aus Brettern war flach, nur im Chorraum hatte sie eine Wölbung. An der Nordseite war ein Seiteneingang, und es war ein Leichenhaus angefügt.
Altarwand und Kanzel waren zusammen: „ln der .. Kirche trat die Kanzel aus der Altarwand hervor, so daß Kanzel u. Altar auf diese Weise vereinigt waren .. wie das in Hunderten von Kirchen unseres Landes der Fall ist. .. Zur Zeit der römischen (= katholischen) Kirche wollte das christl. Volk den Altar sehen, u. musste deshalb so angelegt werden, dass Aller Augen sich auf das hochwändige Sacrament richten konnten.“

Meine 1846: St. Stephani mit der 1854 abgerissenen Kirche und dem Pfarrhaus von 1817 nach einer Zeichnung von Heinrich Philippi, Pastor an der Marktkirche in Hannover, Sohn von Georg Christian Philippi, 1830 – 1845 Pastor in Meine

Für den Kirchturm wurde 1502 eine Kirchenglocke vom Glockengießer Gerdt Wou gegossen. In gotischen Kleinbuchstaben trägt sie eine abgekürzte altlateinische Inschrift: “/+ annos . post .. mille . quingentos . accipe . binos . iacobum . gerdt . wou . plenit . arte . capis .“ = „Als man eintausend und fünfhundert und zwei als Jahreszahl führte, goß Gerdt Wou den Jacobus (= Name der Glocke), wie du am Kunstwerk ersiehst“.
Der Turm erhielt Anfang des 20. Jahrhunderts eine weitere Glocke. Sie musste 1943 im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgegeben werden.

Die Kirche hatte bis 1530/40 keine Sitzplätze: „das Volk stand.“ Sitzgelegenheiten gab es nur im Chorraum für den Bischof oder Archidiakon und seine Begleitung. Nach der Reformation gab es Sitzplätze für die Gemeinde, für die jährlich zu zahlen war. Jede Familie hatte in der Kirche ihre Sitzplätze: Sie saß aber nicht zusammen: es gab Frauensitze und Männersitze und Bänke für die Unverheirateten. Für den Sitzplatz rechnete man 43 cm. Nach der sozialen Gliederung in der Gemeinde waren die Sitzplätze mehr und weniger günstig verteilt. Meist saßen die Männer oben auf der Prieche, die Frauen unten. Das Sitz- oder Stuhlregister von 1730, neu angelegt 1785, gibt Auskunft über die Sitzordnung und den Kauf (Jahresmiete) der Plätze. Die Reihen wurden nach Buchstaben eingeteilt und mit Platznummern versehen. lm Kirchenschiff saßen die Frauen, ein Frauenplatz kostete im Jahr 12 gute Groschen. Auf den Priechen und auf dem Chor waren die Männerplätze, ein Mannplatz kostete im Jahr 24 gute Groschen. So hatte man 261 vermietete Frauen- und 208 Mannplätze, insgesamt 469 Sitzplätze.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde 1626/27 u.a. die Kirche in Meine ausgeplündert.
Ein Sturm im Winter 1684/85 beschädigte Turm und Dach stark, aber die Instandsetzung erfolgte sofort. Dennoch wurden für die Kirche um 1700 umfangreiche Reparaturen erforderlich. Da die Kirche immer baufälliger wurde und man inzwischen auch mehr Plätze benötigte, schien ein Um- oder Neubau erforderlich.
1734 beschreibt das „corpus bonorum“, das Verzeichnis aller Gegenstände der Kirche, den Kirchenbau: „Das Kirchengebäude ist 94 Fuß lang, 26 Fuß und aus einem Schiff aus dem Jahre 1458. Sie hatte 544 Plätze.“
Pastor Weigel (1734-1767) berichtete 1745 den Superintendenten über eine notwendige Reparatur des Glockenturms: „Ich hatte zweimal eine Besichtigung veranlaßt. Ein Maurer und ein Zimmermann halten die Reparatur für notwendig. Ich selbst unterstehe mich nicht hinaufzusteigen.“ Umfangreiche Reparaturen der Kirche fanden dann 1785 statt.

Um 1700 begann der Gottes dienst um 7, im Winter um 8 Uhr, später wurden die Zeiten um eine Stunde nach hinten verlegt. Die Texte der Lesung wurden meist dem Neuen Testament entnommen und stellten im Sinne einer theologisch orientierten Aufklärung die Belehrung der Gemeinde in das Zentrum. Die Predigten behandelten auch profane Themen, z.B. zur Obstkultur und Hygiene. Bis 1853 hatten die Abkündigungen in ländlichen Gemeinden die Funktion von Tageszeitungen. Es werden Verbote und öffentliche Anordnungen bekannt gemacht.

Ein Neubau wird beschlossen, „weiI die alte Kirche die Menge darin nicht fassen konnte“

Die Kirchengemeinde Meine vermerkte seit längerem, dass der Platz in ihrer Kirche nicht ausreichte. Ein „Verzeichnis Sämmtlicher Stellen in der Kirche zu Meine“ stellte sie am 9.11.1841 auf. Dieses sollte der vorgesetzten kirchlichen Behörde, dem Königlichen Hannoverschen Consistorium in Hannover, die Raumnot aufzeigen. Die Zahl der Sitzplätze für „Mannesstellen .. Auf dem Chore ..(und).. der Prieche“, für „Frauenstellen .. lm Schiffe der Kirche“ und weitere „Vermischte Stellen“ betrug 544 Plätze. Mehr als doppelt so groß ist die „Anzahl der Gemeinde = Glieder ohne d. Kinder“, sie betrug 1338 Personen. Für die rund 200 Kinder im Kirchspiel war nur Platz für 127.

“Die alte Kirche war .. schon lange zu klein.“ Auf entsprechende Argumente wollte das Konsistorium aber „nicht eingehen, sondern verwies auf die Kirchen zu Leiferde, lsenbüttel, Adenbüttel, gegen welche die Meinsche Kirche am geräumigsten und ein stattliches Gotteshaus sei.“ Und doch beschloss man, „einen Neubau der Kirche vorzunehmen, weil die alte Kirche die Menge darin nicht fassen konnte, welche den Gottesdienst hören wollten.“ Der Kirchenvorstand berichtete für das Kirchspiel Meine: „die Seelenzahl beläuft sich auf 2200. Von diesen kommen 600 – 800 auch wohl 1000 zur Kirche.“

Damals gehörten zur Kirchengemeinde Meine acht Dörfer: Abbesbüttel, Gravenhorst (mit Kapelle), Ohnhorst, Meine mit Meinholz, Rötgesbüttel (mit Kapelle), Vordorf (mit Kapelle), Wedelheine, Wedesbüttel (mit Gutskapelle); Martinsbüttel als „Gutsdorf“ zählte auch dazu, wird aber nicht immer extra aufgeführt.
Der Kirchenvorstand reichte am 3.6.1852 einen Antrag auf Vergrößerung seiner Kirche beim Königlich Hannoverschen Konsistorium ein; er fügte Bauplan und Kostenvoranschlag bei und begründete: “Das Bedürfniß zur Vergrößerung der Kirche war schon seit längerer Zeit sehr dringend und der Vorsitzende des Kirchenvorstandes versuchte bald nach Antritt .. die Gemeinden .. zu bewegen aus freiem Willen die Vergrößerung .. zu unternehmen.“ Aber in einzelnen Dörfern gab es hiergegen Widerstand, „das war dem um so mehr der Fall, da die Ackerleute, Kothsassen und Anbauern, welche die Kosten des Neubaus zu tragen haben, mit Kirchenstellen ausreichend versehen waren“, während die Abbauer und Häuslinge kaum Sitze hatten und auch nur wenig oder gar nichts zu zahlen hätten. „Es kam demnach darauf an .. ein neues Gotteshaus zu erbauen, damit auch der ärmere Theil der Gemeinde das Wort Gottes hören, und so das beste Theil verlangen könnte, in Gott und Christo reich zu werden.“

Die am Kirchenneu- oder -umbau beteiligten Institutionen:
·    Kirchenvorstände waren seit 1848 möglich, eine ihrer Aufgaben war die Verwaltung des Kirchenvermögens und damit auch die Verantwortung in Kirchenbauangelegenheiten. Vorsitzender des Kirchenvorstandes war Daniel lsenberg, 1845-1860 Pastor in Meine, gest. 1878; später Pastor Gustav Töpfer (1860-1888). Dem Kirchenvorstand gehörten an: Kotsaß Conrad Jantze aus Wedelheine, Ackermann Hans Heinrich Ahrens aus Meine, Christian Bosse aus Vordorf und Ackermann Wilhelm Wehmann aus Wedesbüttel.

·    Dem Kirchspiel oder der Parochie Meine, vertreten durch den Kirchenvorstand, ist die Superintendentur in Gifhorn vorgesetzt. Sie wird als „Kirchen=Commission“ bezeichnet; sie wird im Schriftverkehr auch als „die Herren Kirchen=Commissarien“ angeschrieben. Vor 1848 nahmen die Kirchenkommissarien in der kirchlichen Bauverwaltung eine zentrale Stellung ein, danach verloren sie ihre Entscheidungsbefugnisse in Bausachen und hatten nur noch die Finanzen zu überprüfen. Die beiden „Kirchen=Commissarien“ sind Superintendent Meyer und Amtmann Schreiber.

·    Oberste kirchliche Behörde für die Bauangelegenheiten ist das „Königliche Hannoversche Consistorium“ in Hannover. Für Kirchenbau-Angelegenheiten ist ein „Bau-Revisor“ zuständig, dieses Amt wurde seit 1822 von Friedrich August Ludwig Hellner ausgeübt. Der Baurevisor hatte die Aufgabe, Baupläne und Kostenvoranschläge zu überprüfen, er konnte Veränderungen in den Plänen einfügen und musste die Baudurchführung kontrollieren.

·    Auf politischer Ebene ist das „Königliche Hannoversche Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten“ die oberste Behörde, heute vergleichbar dem Kultus- oder Wissenschaftsministerium.

Am 28.9.1853 beriet der Kirchenvorstand lange über den Kirchbau; er entschied sich für einen Neubau. Der Kirchenvorstand: „Wir halten es für unsere Pflicht, bei dem Bau einer großen Kirche darauf zu achten, daß die Opfer, welche der alte Stamm der Gemeinde tragen mußten, nicht zu schwer würden. Dabei leitete uns der Gedanke, daß die neue Kirche in würdiger Weise ausgeführt würde. Beides sehen wir nach unserem schlichten Verstande in der Uetzer Kirche realisiert, und so beschlossen wir .. nach dem Maaßen dieser Kirche zu bauen.“ Die Kirche in Meine, die eine Kopie der Kirche in Uetze von 1835 ist, ist zur Zeit ihrer Erbauung bereits als in einem architektonisch rückständig anzusehen den klassizistischen Stil anzusehen. Die Übernahme der Baupläne erfolgte gegen den Willen des Architekten und Baurevisors Hellner.
Das Kopieren eines Kirchbaus war auch unter dem Kostengesichtspunkt zu sehen: weil eine „Blaupause“ vorlag, somit entstanden keine Ausgaben für die Planung. Gerade Hellner hatte oft erfahren müssen, dass die ländlichen Gemeinden knapp bei Kasse waren, so berichtete er über die schlechte finanzielle Situation der Dorfgemeinden: „Der größte Teil der Pfarrgemein den muß wegen Mangel an Kirchenvermögen aus eigenen Mitteln bauen, und wie beschränkt die Vermögensumstände derselben sind, ist .. hinreichend bekannt“.

Fundament und Dach der neuen St. Stephani – Kirche 1854: „Gott segne den Bau!“

Anfang Dezember 1853 wurde der Vertrag zum Neubau der Kirche besiegelt. Der Auftrag eines Neubaus für 6000 Thaler Courant (900.000,- Euro) für eine schlüsselfertige Übergabe im Jahre 1854 geht an den Maurermeister Georg Lohmann aus Hannover. Der Vertrag umfasst 17 Paragrafen, in denen die Kirche in Uetze „zur stricten Norm“ für den Neubau erklärt wird. Von dieser Vorgabe wich man später jedoch ab. Der Abbruch sollte einen Tag nach Ostern 1854 beginnen, und der Neubau sollte mit Ausnahme geringerer Arbeiten am 10.11.1854 fertig sein. Das Konsistorium verlegte den Fertigstellungstermin mit seiner Baugenehmigung später auf den 29.9.1855. Ein Teil des Materials sollte der noch vorhandenen Kirche entnommen werden, z.B. die Steinplatten. Es wurden benachbarte Unternehmen eingebunden, z.B. „Dachpfannen.. Ziegeleien zu Rötgesbüttel und Gifhorn. Mauersteine von den Ziegeleien Gifhorn, Rötgesbüttel und Gr. Schwülper“. Aus der Kirchengemeinde sollte Sand und Lehm sowie Bauhölzer angeliefert werden, aber mit Ausnahme der Arbeiten beim Richten des Dachgebälks und dem Aufhängen der neuen Dachpfannen wurden keine weitere Eigenleistungen der Gemeinde vereinbart.

In einem Vergleich der Baukosten wird aufgezeigt, dass der Bau in Meine eigentlich günstiger wäre als der Bau in Uetze, aber diese Auflistung ist etwas undurchsichtig. Später wurden jedoch aus den 6000 Thalern für Meine mehr; eine Erfahrung, die wir wohl aus allen Bauprojekten kennen. Zur Finanzierung der Baukosten beschloss der Kirchenvorstand, einen Kredit aufzunehmen und die Baukosten erst ab 1855 zu bezahlen. Der Kredit wurde als Kleinkredit von verschiedenen Gemeindemitgliedern aufgenommen; später wurden von den einzelnen Gemeindemitgliedern Beiträge eingefordert, die sich an deren beruflichen Stellung orientierten. Diese Beiträge wurden wie in den Jahren zuvor- ergänzt um die „Gelder durch die Vertheilung und Vermiethung der Plätze“ in der Kirche.

Das Konsistorium genehmigte den Neubau der Meiner Kirche am 11.4.1854 und verschob den Fertigstellungstermin um ein Jahr auf Michaelis 1855 (29.9.1855). In Abänderung des Bauplans wurde gefordert, dass die Kanzel nicht über dem Altar errichtet werden solle – eine bis Mitte des 19. Jahrhunderts durchaus übliche Gestaltung des Chors.
Der Abbruch begann in der Woche nach Ostern (16.4.1854) und war in weniger als vier Wochen abgeschlossen.
In den Akten finden sich keine Notizen, wo der Gottesdienst während der Bauphase gehalten wurde. Für Meine lassen sich als Möglichkeiten denken: das Pfarrhaus mit seiner Groten Däle und das Schulhaus neben der Kirche.
Der Aushub des Fundamentes gestaltete sich arbeitsintensiver als gedacht, denn erst in 2 m Tiefe traf man auf genügend festen Boden für das Fundament. Zugleich war die Ausdehnung des Kirchengebäudes größer als anfangs geplant, denn man hatte nicht bedacht, dass von der Länge der Kirche in Uetze ein Teil für den Aufgang zu den Priechen zu berücksichtigen war und dass nicht, wie ursprünglich vermutet 1000 bis 1100, sondern höchstens 740 Plätze eingerichtet werden könnten.
Also verlängerte man in Absprache mit dem Bauunternehmer Lohmann den Kirchenbau um 3,8 m. So konnten mehr Plätze geschaffen werden, es erhöhten sich aber zugleich die Baukosten um 1100 Thaler.
Ende Mai 1854 konnte Pastor lsenberg berichten: “Schon steigen die Grundmauern aus der Erde und nach wenigen Wochen wird .. das Mauerwerk beendigt“, er schwärmte über den Bau: „Wir erhalten nun eine Kirche, welche .. 96 Fuß lang und 60 Fuß breit ist, .. ein überaus herrliches Ansehen .. eine Zierde für die Gemeinde .. ein Vorbild für andere Gemeinden“.

Mittwoch nach Pfingsten fand die offizielle Grundsteinlegung statt. ln der Urkunde vom 7.7.1854 werden ausführlich die lokalen und weltpolitischen Gegebenheiten zur Beschreibung der Situation aufgeführt. Zur Größe der Gemeinde heißt es: „Die Seelenanzahl der Parochie Meine beträgt 2280 Seelen.“ Mit Bezug auf den Kirchen-Neubau schließt die Urkunde mit den Segenswünschen: „Der Herr wolle die Gemeinde bei reinem Worte und unverfälschten Sacramenten in der richtigen lutherischen Lehre alle Zeit erhalten, und so seinen Tempel hier alle Zeit bauen. Gottes Wort und Luthers Lehr‘ Vergehen nun und nimmermehr. Christus der Eckstein, Christen die Bausteine. Gott segne den Bau!“

Das Konsistorium forderte wegen des Berichts der Kirchen-Kommission aus Gifhorn zu den offiziell bemerkten Abweichungen zwischen Bauplan und Bauausführung eine Überprüfung und verlangte im .Juli 1854 vom Kirchenvorstand, bevor es weitere Beschlüsse zum Bau fassen würde, eine „Vorlegung der vollständigen Baupläne“ des nunmehr geänderten Baues; insgesamt werden sechs verschiedene Pläne gefordert.
Der Bau ging weiter, ab den 21.8.1854 wurde der Dachstuhl gerichtet. Der Kirchenvorstand spendierte dabei das Bier für die Männer, die beim Richten halfen. Das Konsistorium verlangte am 21.9.1854 eine Überprüfung vor Ort durch den Baurevisor, nachdem ihm die Kirchen-Kommission aus Gifhorn erneut über weitere Abweichungen zwischen Bauplan und Bauausführung berichtet hatte.
Damit beginnt eine Auseinandersetzung, die die Fertigstellung der Kirche verzögert.

Orte der Verkündigung und Anbetung und „daß der Prediger den Altar nicht mit Füssen trete“

Die Untersuchung des Kirchenbaus erfolgte nicht sofort, weil der 64-jährige Hellner erkrankte und so erst am 13.10.1854 den Kirchbau überprüfen konnte. Da hatten „die Maurer bei den innern Verputzarbeiten den Anfang gemacht“ und die Verlängerung der Kirche in Meine gegenüber Uetze wird „in technischer Hinsicht“ von Hellner „für das gesammte Kirchenbauwerk“ als ein „sehr glückliches Ereigniß“ bezeichnet. Er meinte damit eine gefälligere Architektur wegen der Proportionen und sah das ideal im Kirchenbau in einem Verhältnis der Höhe zur Breite zur Länge wie 2:3:4.
Insgesamt lobte Hellner den Neubau, er verspricht eine „regelmäßige und ansehnliche“ und „sehr practische“ Kirche, die “in allen Theilen alsdann dem Zweck voll entspricht.“ Mögliche Änderungen (Altarwand, Gestaltung des Chors und der Gänge) wurden mit dem Kirchenvorstand vor Ort besprochen und auch in Hellners Bericht erwähnt.
Mit der Berücksichtigung der Änderungen schätzte Hellner, dass „die neue Kirche _. Juli nächsten Jahres vollendet sein“ könne, also im Sommer 1855.

Der Kirchenvorstand griff einige von Hellner gemachten Anregungen auf und beantragte im Oktober eine Änderung im Chorraum und die Beibehaltung der Kanzel über dem Altar. Pastor lsenberg hoffte, „daß in etwa vier Wochen der Neubau _. soweit gefördert werden wird, daß provisorisch Gottesdienst darin gehalten werden kann“ und wollte das auch gern verwirklichen. Da aber das Konsistorium noch keine Entscheidung zur gegenseitigen Position von Kanzel und Altar getroffen hatte, schlug er vor: „daß Kanzel und Altar zum provisorischen Gebrauche .. eingerichtet werden  , weil es während des herannahenden Winters immer weniger möglich wird, die Gemeinde mit den Worten des Lebens zu versehen.“
Die Änderung im Chorraum sollte die Fußkalte verringern: „Die christliche Jugend nämlich .. kömmt aus einer Entfernung von (drei Viertelstunden oder einer) Stunde hier (her) zu Fuß und wenn .. die Kinder .. den Fußweg .. gegangen haben, so müssen sie dann auf den kalten Steinen stehen und bekommen auch, wenn sie sitzen, durch die Steine kalte Füße. Auch ist es hier Sitte, daß .. während des Gebetes und der Einsetzung des Heiligen Abendmahls auf den Knien niederknien.“

Bei der Untersuchung zeigte sich ein Umstand, der in den Plänen dargestellt und geplant, aber mit der Baugenehmigung eigentlich geändert werden sollte. Die Kirche von Meine war nach fast 20 Jahre alten Architekturideen gebaut, die gegenüber den inzwischen gewandelten kirchenbaulichen und theologischen Konzepten überholt waren.

Hellner berichtete über seine Baubesichtigung am 13.10.1854:
Der Innenausbau der Kirche war bereits weit fortgeschritten, aber die Altarwand konnte noch gestaltet werden. in Abänderung der Gestaltung in Uetze und unter Berücksichtigung der Vorgaben des Konsistorium schlug Hellner zunächst vor:  es kann die Kanzel entweder in der rechten oder linken Seiten-Öffnung der jetzigen vorgerichteten Altarwand angebracht werden, und würde alsdann nicht oberhalb des Altars zu sitzen kommen, sondern von der einen oder anderen Seite der Altarwand immer noch 2 Fuß (0,6 m) von dem Altare entfernt sich befinden.“ Diese Anordnung wurde z.B. 1855 in Gillersheim realisiert, dort wurde die Kanzel an der rechten Seite platziert; die Altarwand selbst wurde von Hellner entworfen. Die Seitenpriechen hatte man dort entgegen der Planung und Genehmigung weg gelassen, um die Sicht auf die Kanzel zu ermöglichen; zugleich entfielen dadurch jedoch viele Sitzplätze. Hellner führte dazu bei Meine die Argumente auf: „Da jedoch die Seitenpriechen .. mit 4 Reihen Bänken hintereinander enthalten, so würden viele der Kirchenbesucher .. den Prediger auf der Kanzel .. nicht sehen können. ..
Wegen der möglichst zweckmäßigsten Anbringung der Kanzel, bin ich daher der unmaßgeblichen Ansicht, daß man es .. eben so macht, als wie jetzt sehr geschickte Baumeister in Preußen es mit den Kanzeln in ihren neu aufgebauten Kirchen machen. (Sie bauen).. eine der Würde und dem Zweck entsprechende Altarwand. (Sie bringen).. die Kanzel auf eine angemessene Höhe in der Mitte der Altanıvand an, – und wo dieses .. geschehen ist, kommt .. der Altartisch 4 bis 5 Fuß (1 bis 1,5 m) von der.. Altarwand entfernt zu stehen, daher ..(kommt also).. die Kanzel durchaus nicht unmittelbar über dem Altar zu sitzen.“ Mit seinem Hinweis auf die Praktiken in Preußen (Hellner erwähnte Schinkel nicht direkt) schlug Hellner vor, die Kanzel in der Achse zu lassen und den Altartisch soweit abzurücken, dass der Prediger den Altar nicht mit den Füßen trete, also nicht direkt darüber stehen würde.
Hellner ging in seinem Bericht darauf ein, dass das Konsistorium einen Altar haben will, „der, wie sämmtliche Architecten darüber sich aussprechen, nicht mit Füßen getreten werden soll, so muß das Kirchenbauwerk .. auf folgende Art vollführt und vorgerichtet werden.

  1. Es muß eine für sich selbst bestehende Altarwand.. angefertigt.. werden..
  2. Die Kanzel kann in der Mitte der von mir in Vorschlag gebrachten Altarwand, und zwar etwa mit der beiderseitigen Priechenbrüstung gleich hoch angebracht  werden ..
  3. alsdann der Altar 4 bis 5 Fuß (=ca. 1 bis 1,5 m) von der abgedachten Altarwand entfernt auf den Chorraum weiter vorgericht werden“
  4. Der Chorraum wird geändert, so dass „150 bis 170 Communicanten ihre bequemen Plätze nehmen können“

Hellner entwarf dazu 1854 die nunmehr geänderte Altarwand, nicht so abwechslungsreich wie z.B. 1855 für Gillersheim, sondern nach dem Vorbild von Uetze 1835 unter weiterer Vereinfachungen und Kostenersparnissen.
Altar und Kanzel bleiben kostenmäßig gleich, nur bei der Altarwand ist „in der Meiner Kirche oberhalb der Kanzel ein Schalldeckel projectirt, welcher in der Uetzer Kirche nicht vorhanden ist“ und die oberen Gesimse der Altarwand werden in Meine „etwas reicher gehalten“. Noch billiger wird es, wenn „die erhabensten Theile der Altarwand“ nicht vergoldet werden (Uetze hatte sie vergoldet).

Der Kirchenvorstand versuchte nochmals mit theologisch-liturgischen Argumenten, die Zustimmung des Konsistoriums zur ersten Bauplanung zu erhalten, denn er ist mit der Herauslösung der Kanzel aus der Altarwand und ihrer gesonderten Platzierung nicht einverstanden: „ln der früheren Kirche trat die Kanzel aus der Altarwand hervor, so daß Kanzel u. Altar.. vereinigt waren. Nun soll nicht die Kanzel sich oberhalb des Altars sich befinden, wie das in Hunderten von Kirchen unseres Landes der Fall ist. _. Die Genehmigung zu einem solchen Bau, wie der unsrige, nicht hätte ausgesprochen werden müssen, denn, wenn die Priechen auf das Chor treten, wohin soll dann anders die Kanzel gebaut werden, als an die Altarwand?

Zur Zeit der römischen Kirche wollte das christl. Volk den Altar sehen, u. mußte deshalb so angelegt werden, daß Aller Augen sich auf das hochwändige Sacrament richten konnten. Was will es dann jetzt dem christl. Volke verargen oder nur kümmern, daß dasselbe den Prediger .. nicht, nachdem durch die Reformation das göttl. Wort unter dem Scheffel hervorgegangen, darunter dasselbe Jahrhunderte gestanden, u. v. der Predigt wieder die ihn nach Stelle in den öffentlichen Gottesdienste eigens aura hat? Wer mag einen Redner hören, ohne ihn zu sehen? Viel leichter getraut sich dann das Herz, weil weniger wird von der Rede verstanden. Sollte die Kanzel nicht aus der Altarwand hervortreten, sondern zur Seite angebracht werden, so wird überall, wo eine Möglichkeit ist so anzubringen, eine große Menge der Zuhörer den Prediger gar nicht sehen, eine andere ihn von der Seite sehen, u. Gemeinde u. Kirchenvorstand würden sich niemals unter dieser Bedingung zum Bau entschlossen haben.

Das christl. Volk sieht in der Anordnung, daß die Kanzel aus der Altarwand hervor tritt u. sich dem Altare anschließet, nur eine Vereinigung der Kanzel u. des Altars, welche christl. u. lutherisch ist. Oder welche Bedenken liegen dem vor, daß der Locus adorationis (der Ort oder Platz der Anbetung) mit dem Locus praedicationis (dem Platz der Verkündigung) vereinigt seie? Es wird doch auf der Kanzel gebetet, wie vor dem Altare, u. bei den Sacramenten liegt doch der Nachdruck auf dem Worte, wie Luther sagt: „Wasser thats freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so auf u. bei dem Wasser ist“, u. wiederum an anderer Stelle: „Essen u. Trinken thats freilich nicht, sondern die Worte, so da stehen u.s.w.“ Wiederum soll doch das Wort auch so gepredigt werden, daß der Herr Jesus Christus in sacramentaler Weise der Gemeinde dargeboten wird. Was denn nach Bibel u. der Kirche so einig u. heilig vereinigt ist: das Wort u. die Sacramente, sollte das nicht auch im Gottesdienste bei der Verwaltung der Sacramente u. der Predigt des Wortes als vereinigt dargestellt werden?“
Pastor lsenberg wiederholt abschließend die Bitte an das Konsistorium: „Hohes Kollegium wolle gütigst gestatten, daß bei dem Neubau der Kirche zu Meine die Kanzel an der Altarwand hervortrete, damit der Prediger von allen Stellen der Kirche aus gesehen werden kann.“ Architektonisch bildet sich so in Meine der erste Schritt zur Aufgabe des Kanzelaltars ab. Die Stellung von Kanzel und Altar in Liturgie und Architektur wechselte zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert.

Kanzel und Altar sind in der Aufklärungsliturgik gleichberechtigt: Das Verhältnis von Wort und Sakrament wurde in der Aufklärung anders aufgefasst als später. ln der Aufklärungsliturgik steht Gottes Wort im Zentrum des Gottesdienstes, damit die Predigt und der Prediger. Emporen und seit etwa 1700 der Kanzelaltar werden wichtige Kennzeichen evangelischer Kirchbauten. Die Aufklärung will im lnnern der Kirche so bauen, dass „der Altar erhaben unter der Kanzel stehe“. Eigentlich hat die Kanzel keine größere Bedeutung als der Altar, in der Praxis aber bekommt die Kanzel wegen der besonderen Ausrichtung auf die Predigt ein stärkeres Gewicht.
Der Kanzelaltar kann als Sinnbild dafür gesehen werden, dass so Gottes Wort in die Gemeinde hinein fährt. Der Kanzelaltar stößt auf die Gemeinde zu und die Präsenz Gottes tritt so in die Gemeinde hinein. Die Zusammengehörigkeit von Prediger und Gemeinde wird durch die integration des Kanzelaltars in eine umlaufende Empore verstärkt.

Kanzel und Altar werden unterschiedlich wichtig und daher getrennt: Der sich noch an der Aufklärung orientierende Kirchenbau mit klassizistischen Architekturen und die aufkommende Theologie der konfessionellen Erneuerungsliturgie entwickeln sich Anfang des 19. Jahrhunderts auseinander. Das Sakrament als objektives, heiliges Geschehen wird über die Predigt als subjektive Auslegung des Wortes Gottes gestellt. Nach 1850 wird die Kanzel aus der Altarwand herausgelöst und als selbständiger Teil zwischen Schiff und Chor aufgestellt. Somit wird auch architektonisch der Altar als Zentrum des Chores der neue Mittelpunkt, und die Kanzel rückt zur Seite. Der erste Schritt zur Aufgabe des Kanzelaltars war, daß der Altar, wie in Meine unter Abänderung der ursprünglichen Planung, frei stehend in einiger Entfernung vor der Altarwand aufgestellt wurde.

ln Preußen war bereits 1852 eine strikte Trennung von Kanzel und Altar verordnet. Diese Verordnungen wurden wohl vor 1856 im Königreich Hannover übernommen. So berief sich Stadtbaumeister H. Holste aus Lüneburg in seinem Gutachten über die der Kanzel in der neuerbauten Kirche zu Meine zu gebenden Stellung auf „die zum kirchlichen Gebrauch von der königl. preuß. Oberbaudeputation mit Genehmigung der beteiligten Ministerien“ kommende „Sammlung 3 von Entwürfen zu i Kirchen, Pfarr-und Schulhäusern für alle Konfessionen in verschiedenen Baustylen“ und befürwortete eine Kanzel mit etwas Abstand hinter dem Altar.

Klassizismus und Historismus – ein Umbruch in der Kirchenbau-Architektur:
Die Zeit, in der Hellner klassizistisch baute, endet radikal. Hellner nahm 1847 den aufkommenden Historismus in seinen unterschiedlichen Ausprägungen auf. Er entwarf neugotische Kirchenbauten, die sich kaum von den Kirchen seines Konkurrenten und späteren Nachfolgers C.W. Hase unterschieden. So erfolgte auch 1853 die Übernahme der Uetzener Baupläne für die Meiner Kirche gegen den Willen des Architekten und Baurevisors Hellner.
1856 war Hellner dann kompromisslos gegen den Kanzelaltar, berief sich dabei ausdrücklich auf die vom Konsistorium vorgegebene Kirchenbau-Ästhetik. Sie war quasi „arntliche_Baupolitik“ und in den preußischen Musterbauplanen dargestellt. Diese Pläne hatte Stadtbaumeister Holste 1855 in sein Gutachten zu Meine einbezogen.

Nach dem Winter 1854/55 lag auch im März 1855 der Gemeinde Meine keine offizielle Mitteilung des Konsistoriums vor. Inzwischen waren die Kirchenkommissarien, Superintendent Meyer und Amtmann Schneider in Meine und „waren durch die Trefflichkeit des Baues überrascht.“ Das Ergebnis der Revision durch Baurevisor Hellner vom Oktober 1854 ist dem Kirchenvorstand offiziell nicht bekannt, er kennt nur die an dem Tag gemachten mündlichen Vorschläge, aber um auch wieder etwas Bewegung in das Verfahren zu bringen, stimmte er am 26.3.1855 zu:
“ daß der Altar etwa um 4 Fuß vor der Kanzel auf’s Chor gerückt, und durch eine würdige Altarwand verziert würde. Dem stimmen wir auch von Herze bei“. Der Kirchenvorstand bekräftigte erneut, er würde „mit der tiefsten Betrüblichkeit erfüllt“, wenn die Kanzel an der Seite statt in der Altarwand angebracht werden würde, auch würden die Kosten steigen und vorgesehene zusätzliche Plätze doch wieder entfallen. Daher bat er dann, dass die Kanzel in der Altarwand und der Altar in der Mitte des Chorraumes platziert werden.
Das Konsistorium reagierte nach dem Gutachten von Stadtbaumeister Holste und legte fest, dass „die Canzel in der Mitte der Altarwand anzubringen und der freistehende Altar um fünf Fuß von der fraglichen Wand abzurücken ist, und die sonstigen Vorschläge des p. Hellner“ zu berücksichtigen seien. Erstmalig sah Hellner entgegen Planungen andernorts diesmal einen Kanzeldeckel als Schalldeckel vor.

Während die Arbeiten zum Innenausbau voran gingen, werden erste Rechnungsbeträge fällig. Dazu wurden nochmals Zuschüsse beantragt und der Kirchenvorstand stellte am 9.6.1855 eine Liste auf, um am 1.7.1855 die ersten Beiträge für den Kirchbau einzusammeln. Für die einzelnen Höfe galten folgende Sätze:
Ackermann             1 Th.        6 Ggr.                 bzw. rd. 188,- Euro
Kothsaß                               15 Ggr.                               94,-
Brinksitzer                            7 Ggr.   6 Pf.                        47,-
Anbauer                               3 Ggr.   9 Pf.                        23,-
Abbauer                               2 Ggr.   6 Pf.                        16,-

und aus den einzelnen Dörfer kamen anteilmäßig zusammen:
Meine                   21 %                      Abbesbüttel      5 %
Rötgesbüttel        25 %                      Gravenhorst      9 %
Vordorf                16 %                      Ohnhorst          4 %
Wedelheíne             8 %                      dazu weitere     1 %
Wedesbüttel          11 %

lm November 1855 stellte der Kirchenvorstand die Abrechnung für den Kirchenneubau zusammen. Die Abschluss-Rechnung für Maurermeister Lohmann betrug 7225 Thaler (1.083.750 Euro), mithin waren diese Kosten rund 20% höher als anfangs veranschlagt.

Weihe der neuen Kirche: feierlich und mit lnstrumentalmusik

Auf der Sitzung des Kirchenvorstandes am 20.7.1855 wurde beschlossen, „daß eine Orgel angeschafft werden sollte, die bis .. Herbst 1856 ferthig sein und bezahlt werden sollte. Man entschied sich dafür, daß mit Herrn Furtwängler in Eltze verhandelt werden sollte“.
Die Gemeinde hatte Tischler A. Schaumann aus Gifhorn mit dem Altarbau beauftragt. Er hatte im Oktober 1854 den freistehenden Altar und die Gestaltung der Kanzel entworfen. Der Altar selbst wurde am 10.9.1855 in Meine aufgebaut.
Nachdem der Einweihungstermin fest stand, schickte Superintendent Meyer (Gifhorn) den Ablauf-Entwurf für die Kircheneinweihung an Pastor lsenberg. Zugleich bat Maurermeister Lohmann darum, die Bauabnahme möglichst ein paar Tage vor der Einweihung vorzunehmen.
Der Neubau des Gotteshauses wurde am 24. Sonntag nach Trinitatis, am 18. November 1855 eingeweiht, feierlich und mit „lnstrumentalmusik“, aber noch ohne Orgel. Es wurden dazu diese Lieder gesungen:

Ges. 4.   Nun jauchz‘ dem HErrn alle Welt!
Ges.10.  Allein GOtt in der höh sey ehr,
Ges.40,  Wie selig ist der Ort zu nennen, wo GOttes Wort im
                Schwange geht / Mel. Wer nur den lieben u.
Ges.485. Dreyeinig=heilig=großer GOtt! (Bey Einweihung einer
                 neuen Kirche) / Mel. Aus tiefer noth schreye…
Ges.15.   Nun danket alle GOtt mit herzen, mund und haenden.

Die Kirche hatte nach dem Bericht von Hellner vom 20.11.1854 über 1000 Sitzplätze, die sich folgendermaßen aufteilten:
“Anzahl der Plätze:

a.       zu ebener Erde:       528 Plätze
b.       auf den Priechen:     308 Plätze
          Summa:                   836 Plätze

außerdem Stühle und Plätze für die Prediger-Familie, der Kirchenvorstände und eines noch sonstigen oberen geschlossenene Stuhles“. Dazu kommen im Chor Bänke, „worauf 150 bis 170 Communicanten ihre bequemen Plätze nehmen können“
Nachdem der Kirchenbau vollendet war, blieb noch die Frage der Verlosung und Besetzung der Kirchenplätze, wie sie in der Vorgängerkirche üblich gewesen war. Um die Kirchenstühle des Patrons Freiherrn Grote, Wedesbüttel, gab es jedoch Uneinigkeit. Freiherr Grote stellte besondere Ansprüche, u.a. ein verschließbarer Bereich mit Sitzplätzen für die Gutsherrschaft, die ihm der Kirchenvorstand nicht erfüllen wollte. Hierzu entschied das Konsistorium am 21.8.1860: “1. Es gehört kirchenrechtlich zu den Ehrenrechten eines Patrons, daß demselben in der Kirche ein bevorzugter Kirchenstand überwiesen wird. 2. Wenn auch mit dem Untergänge der alten Kirche zu Meine die dem Freiherrn Groten an den darin befindlichen Kirchenstühlen zustehenden Rechte erloschen sind, so jedoch damit nicht das Recht, so demselben verloren gegangen, in der neuen Kirche die Überweisung möglichst gleichmäßiger Stände, wie er sie in der alten Kirche besessen, wieder zu verlangen..“ Der Amtmann erhielt den Auftrag, „sich nach Meine zu begeben und daselbst unter Zuziehung des Kirchenvorstandes und des Freiherrn Grote oder eines Bevollmächtigten desselben, die dem letzteren zu überweisenden Kirchenstühle zu bestimmen“.

Die Orgel wurde 1856 von Orgelbaumeister Furtwängler aus Elze auf der westlichen Empore über den Eingang ins Kirchenschiff eingebaut. Der Taufstein wurde während des Kirchenneubaues beschafft und dem Stil des Kirchinneren angepasst. ln die Taufschale aus Messing ist ein Einhorn eingeprägt.

Umbau des Glockenturms als „Zierde für die Kirche“

Beim Neubau der Kirche war der Turm unberücksichtigt geblieben. Er war stark sanierungsbedürftig und wird als „in einem Schock erregenden Zustand“ beschrieben.
1868 reichte der Architekt Tochtermann ein Gutachten zur Reparatur des Glockenturms ein: „Die Kirche besteht aus einem Unterbau von Bruchsteinen, 23 Fuß hoch bei einer Breite von 32 Fuß, mit Mauern von 6 Fuß Breite, Höhe bis zum Dach rund 52 Fuß, so daß der ganze Turm einen plumpen, formlosen Körper darstellt, dessen ruinenhafter Zustand noch dazu einen unangemessenen Eindruck hinterläßt. Es stellt sich als viel vorteilhafter heraus, wenn der alte Turm ganz abgebrochen wird und die Materialien sowohl Holz als auch Steine zum Neubau wieder verwendet werden.“ Tochtermann stellte verschiedene Kostenschätzungen auf und empfahl den Bau eines Doppelturmes.

Sicherlich wäre der „zweigespitzte Turm“ ein markantes Zeichen im ländlichen Papenteich, wenn man aus der Feldmark oder „von der Chaussee aus das erhabene Paar.. erblicken“ würde. Der Superintendent jedoch mahnte am 2.4.1869 zur Bedachtsamkeit und riet, einen Techniker heranzuziehen, „daß ein solch wichtiger Gegenstand, der auf Jahrhunderte hin nicht nur eine Zierde für die Kirche und die ganze Gemeinde abgeben, sondern auch einem Bedürfnis genügen muß, ist in allseitigster Erwägung zu nehmen und ist in keiner Weise zu übereilen.“

Am 1.1.1870 reichte Maurermeister Schaumann einen Kostenanschlag über 2625 Täler und am 28.1. sein Gutachten ein: „Die untere Etage des Turmes ist 28 Fuß hoch und besteht aus Bruchsteinen. Das Mauerwerk befindet sich in solchem Zustande, daß es durchaus unbedenklich erscheint, eine Reparatur am Turme unbeschadet vornehmen zu können. Der obere Unterbau besteht aus Fachwerk und ist außen umgeben mit einer Verblendung von ½ Stein Stärke, an der Wetterseite der Zerstörung anheimgegeben.“
Die Gemeinde beauftragte 1870 Maurermeister Schaumann mit einer umfangreichen lnstandsetzung, gleichzeitig wurde der Turm auf 42 m erhöht. Die Bauabnahme erfolgte am 3.3.1873 für den Um- und Ausbau und kostete rund 7700 Taler (etwa 1.155.000,- Euro), verzichtbares Material vom Turmbau wurde meistbietend öffentlich verkauft.

Architektonische Baubeschreibung

Die Kirche ist in ihrer Ursprünglichkeit von 1855 weitgehend erhalten. Sie wurde nach dem gering abgeänderten Bauplan der Kirche in Uetze ausgeführt und bildet damit die Architektur um 1835 ab. Die Kirche wurde 25,70 m lang und 18,60 m breit und 9,30 m hoch erbaut.

Der in den Neubau übernommene Kirchturm von 1458 besteht im unteren Teil aus Bruchsteinen, die flächig verputzt sind. Die oberen Geschosse wurden erst nach 1861 in Ziegeln aufgesetzt.
Während die spanische Haube des Turmes wie andernorts auch mit Schiefer gedeckt ist, liegen dem Kirchendach Ziegelpfannen auf. Die Turm- und Dacheindeckung erfolgte um 1988 für rund 100.000 DM. Das Kırchenschiffdach weist 30 bis 35° Dachneigung auf und hat an der Ostseıte ein Walmdach.

Die anfangs als Ziegelmauerwerk geplanten Kirchenwände sind in Bruchstein teilweise unter Verwendung des Materials des Vorgängerbaues aufgemauert. Die Längswände gliedern sich in sechs Achsen mit an den Ecken leicht vorspringenden Risaliten. Alle Außenwände sind mit Zementputz mit tief eingekratzten Fugen überzogen, so dass der Eindruck eines großzügigen Natursteinquader-Mauerwerks aufkommt. Lediglich auf der Ostseite ist der Mittelabschnitt im Bereich hinter dem Kanzelaltar ohne Fugen.
Alle Fenster sind in klassizistischer Manier als Holzsprossenfenster gebildet. Die Kirche wird nicht seitlich erschlossen, sondern nur durch drei Zugänge von der Westseite, wobei zwei seitlich des Turmes in das Schiff führen. Auf der Ostseite befindet sich noch ein Sakristeieingang. Uber ihn steht die lnschrift: „Jesus Christus, gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. 1854.“

Die Grundform des lnnenraumes ist rechteckig und hat einen 3-schiffigen Querschnitt. Der gesamte Grundriß ohne Turm beträgt innen rund 24 m x 16 m (= 82 Fuß x 55 Fuß).
Der Innenraum ist durch die Emporenanlage zweigeschossig ausgebildet. Die Emporenstützen steigen bis zur Decke auf und tragen das Spiegelgewölbe des Mittelteils. Über den Emporen an den Längsseiten (Seitenpriechen) und im Westen schließt die Decke mit Holzkehlen an. Die lnnenmaße des Schiffes einschließlich Chor, ohne den Platz hinter dem Altar und vor der Kanzelwand, sind 21,00 m x 15,65 m.
Die Emporen mit ihrer Durchformung aus Architrav, Gebälk und Brüstung in Rahmen und Füllung entsprechen den übrigen klassizistischen Kirchbauten Hellners. Die Empore ist als Ringempore aufgebaut; sie besteht aus einer Querempore und zwei 3,8 m breiten Seitenemporen. Diese schließen sich unmittelbar an die Altarwand am Ostende der Kirche hart an. Der freie Raum zwischen ihnen beträgt 8,5 m Weite. Auf der Querempore ist die Orgel von Furtwängler von 1856.
Die durch vier Pilaster mit korinthischen Kapitellen in drei Teile gegliederte Kanzelwand schließt durch Viertelbögen (unten mit Türen, oben mit Fenstern) an die Seitenemporen an. Auch die Kanzelwand ist spätklassizistisch geprägt. Die Wand besteht aus Holz und ist im freundlichen Ton gestrichen und verziert, Die Grundform der Kanzelaltarwand ist eine Nische aus einem Rechteck mit ausgerundeten Ecken, die die gleiche Form wie der Querschnitt der Spiegelgewölbe hat. Es liegt ein Kanzelaltar im weiteren Sinne vor, und es zeigt sich hier der erste Schritt zur Aufgabe des Kanzelaltars im 19. Jahrhundert. Über dem Altartisch liegt die Kanzel; sie springt aus der Altarwand vor. Der Altar selbst steht 0,15 m abgerückt vor der Kanzel und 0,90 m vor der Altarwand.

Die Farbgebung zur Zeit der Erbauung war vielfältig: Wände lichtblau, ebenso die Spiegeldecke, Emporen grau, Gestühl dunkelgrün, Altarwand im wesentlichen englischrot und grün. Es erfolgten z.B. 1928 und 1992 Neuausmalungen, um 1959 die Anlage einer Warmluftheizung (als Ersatz für zwei „Feststoffbrennöfen“ mit entsprechenden Schornsteinen an der Ostseite) und mit der Sanierung nach 1986 für ca. 135.000 DM u.a. der Ersatz des ursprünglichen Sandsteinplatten-Fußbodens durch Steinplatten.

Pfarrer im Kirchspiel Meine

Aus dem 14. Jahrhundert wird in mehreren Urkunden J. Stapel als „Pfarrer zu Meyne“ genannt; für die Zeit nach der Reformation liegen wohl alle Namen der Pfarrer, Prediger bzw. Pastoren vor. Ihr Wirken in der Gemeinde Meine:

    1339-1350           Jorden Stapel
    um 1534               Hinricus Kadenhusen
    um 1545               Henrich Bardenhusen
    bis 1564                Johann Gırußendorphe
    1564-1585           Barthold Schrimmpfer (Schrimper)
    1585-1637           Conrad Dammann (Sammen)
    1638-1678           Wilhelm Dannemann
    1678-1714           Heinrich Rahn
    1715-1728           Johann Jacobi
    1729-1732           Johann Kelterborn
    1738-1769           Jacobus Andreas Weigel
    1769-1797           Friedrich Hesse
    1798-1830           Anton Rudolf Warlich
    1830-1845           Georg Christian Philippi
    1845-1860           Daniel lsenberg
    1860-1888           Gustav Töpfer
    1888-1924           Martin Probst
    1924-1929           Heinrich Grimm
    1930-1939           Rudolf Gurland
    1939-1950           Paul Rauterberg
    1951-1956           Paul Kurth
    1956-1963           Wilhelm Hartmann
    1965-1977           Eberhard Bornhak
    1977-1993           Willi Löffelbein
    1994-2015           Jürgen Holly
    2015-2021           Julia Kettler

Weitere Pfarrer in der Gemeinde Meine waren:

    1998-2000           Klaus-Walter Vetter
    2002-2004           Georg Beck
    2012-2015           Julia Kettler
    2015-2019           Christoph Pauer
    2019-2021           Renata Pautsch

St. Stephani in Meine heute

Zur St. Stephani – Kirchengemeinde Meine gehören heute rund 4500 Gemeindeglieder, die in den Orten Abbesbüttel, Gravenhorst, Martinsbüttel, Meine, Meinholz, Ohnhorst, Vordorf, Wedelheine und Wedesbüttel wohnen.

Vertreten werden diese Gemeindeglieder im Kirchenvorstand (KV) durch elf stimmberechtigte Mitglieder. Das sind im Einzelnen sechs gewählte und zwei weitere von ihnen berufene Mitglieder aus der Kirchengemeinde, sowie qua Amt der Pastor, der Kapellenvorstandsvorsitzende aus Vordorf und der in Wedesbüttel ansässige Patron.
Der Kirchenvorstand unterstützt die vier hauptberuflichen (Pfarrer, Diakon, Pfarramtssekretärin und Küster) und die nebenberuflichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde in ihren Arbeitsgebieten. Daneben sind der Erhalt der Gebäude, die Verwaltung der Ländereien und des kirchlichen Friedhofs in Meine wichtige Aufgaben des Kirchenvorstandes.
Da eine ansprechende Gemeindearbeit auch ansprechende Räumlichkeiten benötigt, sind gegenwärtig ferner die Sanierung der Kirchenfenster und der Ausbau des Obergeschosses im Gemeindehaus vordringlich.
Die Arbeit mit Jugendlichen und Kindern nimmt großen Raum in unserer Kirchengemeinde ein. Minikirche und Kindergottesdienste wenden sich an die „Kleinen“ der Gemeinde. Kinder und Jugendliche nutzen die Möglichkeit, im Kinderchor oder bei den Jungbläserlnnen aktiv mitzumachen.

Der Konfirmandenunterricht umspannt 2 Jahre und jährlich werden zwischen 70 und 80 Jugendliche konfirmiert, d.h. insgesamt nehmen ca. 150 Jugendliche an der Konfirmandenarbeit teil.
Für die Erwachsenen gibt es neben den musikalischen Angeboten im Kirchen- und Posaunenchor auch die Mitwirkung im meditativen Tanz.
Mit den evangelischen Nachbargemeinden Calberlah, Essenrode /Grassel und lsenbüttel wird momentan im Rahmen der sogenannten Regionalisierung eine intensivere Zusammenarbeit angestrebt. Zur katholischen Pfarrgemeinde St. Andreas in Meine gibt es schon seit längerem gute Kontakte. Die praktizierte Ökumene wird in gemeinschaftlichen Gottesdiensten und in vielen gemeinsamen Veranstaltungen deutlich (Martinsumzug, Krippe von Meine).

ln Zeiten knapper werdender Finanzmittel ist es eine große Herausforderung für die Kirche insgesamt, Traditionen zu pflegen und Reformen zu entwickeln. Deshalb sollen sich die Menschen ermutigt fühlen, ihre Fähigkeiten und Talente für eine zukunftsorientierte und wachsende Gemeinde einzusetzen.
Dieses missionarische Anliegen wird den Kirchenvorstand auch künftig beschäftigen.

Anmerkungen

St. Stephani
Die Kirche des Archidiakonats von Meine ist dem Heiligen Stephanus geweiht. In lateinischer Sprachform wurde sie als „Ecclesia Sancti Stephani“, Kirche des Heiligen Stephan, bezeichnet. Der Genitiv wurde und wird ebenfalls bei der relativ nahe liegenden anderen Archidiakonatskirche des benachbarten Bistums Hildesheim, St. Viti in Leiferde, geführt. Das eine lateinische Wort ist inzwischen eingedeutscht, und so ist heute „Sankt Stephani“ verblieben. Stephanus war einer der Diakone der urchrisllichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch seine Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 – 53 wiedergegebene Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb.

Prieche = Empore
Die heutige Bezeichnung „Empore“ war früher nicht gebräuchlich. Hellner bediente sich wie seine Amtsvorgänger des landläufigen Ausdrucks “Prieche“ oder „Priche“. Das Wort bezeichnet eine erhöhte oder zumindest abgetrennte Sitzgelegenheit und ist sprachlich mit „Brücke“ verwandt.

Taler / Thaler und Euro
Der Zentral-Dombau-Verein (ZDV) zu Köln setzt 2005 für die Bauarbeiten zwischen 1842 und 1880 zur Vollendung des Kölner Doms, die Kaufkraft eines Talers mit etwa 150 Euro gleich. Für den Neubau der Kirche in Meine wird diese Entsprechung genommen, da es sich in beiden Fällen besonders um Kosten von Baumaßnahmen handelt; Quelle: www.zdv.de/main/kurz.htm
1 Thaler Th. = 24 Gutegroschen Ggr.; 1 Guter Groschen = 12 Pfennige Pf.

Rute / Ruthe, Fuß, Zoll und Meter
Für die Entfernungen im Königreich Hannover nach 1836 gelten folgende Umrechnungen ins Meter:
1 Zoll = 0,024 m; 1 Fuß = 12 Zoll: 0,292 m; 1 Rute = 16 Fuß = 4,67 m

Quellen
Es gibt nur wenig Originaldokumente. Das Archiv und die Bauakten des Landeskirchenamtes sind nach Bombardement in der Nacht vom 9./10. 10.1943 verbrannt, weitere Archivalien vernichtete 1946 eine Hochwasserkatastrophe.
Benutzte Archive: Pfarrarchiv Meine (besonders: Bauakten A211): Landeskirchliches Archiv Hannover; ohne Ergebnis: Archiv im Kirchenkreisamt Gifhorn.

Es wurden u.a. folgende Veröffentlichungen herangezogen:

Bitter, Stephan, Hans-Heinrich Gurland (Hrg.): Unsichtbare Kräfte. Rudolf Gurlands Erleben des Bolschewismus und des Nationalsozialismus. CMZ-Verlag, Rheinbach, 1999

Blanke, Werner: Des Reiches Tod – der Bauern Not. Kreiskalender Gifhorn 1940, S. 37-40

Falk, Michael (Hrg.): Geschichtliches aus Rethen. Adenbüttel 2001.

Kalz, Günther: 125 Jahre Kirche zu Leiferde. Leiferde, 32 S., 1985

Kreiskirchenvorstand Gifhorn (Hrg.): Evangelisch-lutherisches Gemeindebuch des Kirchenkreises Gifhorn. Jedermann-Verlag, Osnabrück 1960.

Kreitz, Gerhard, u.a.: 150 Jahre Kirche zu Gillersheim. Gillersheim, 40 S., Sept. 2003

Kutzleb, Ulrike, Christa Meyer, Ernst Müller: Zur Geschichte der Kirche Johannes des Täufers zu Uetze. Schriftenreihe d. Gymnasiums Uetze Nr. 15, Uetze 1963.

Lütkemann, Heinrich: Uetze. Hannover 1889.

Mewes, Hermann: Der Iutherische Kirchenbau Niedersachsens unter besonderer Berücksichtigung der Baumeister des Konsistoriums zu Hannover. Dissertation, Hannover 1943

Müller, Ulfrid (Hrg.): Friedrich August Ludwig Hellner, 2.12.1791 – 2.8. 1862 Konsistorialbaumeister im königlichen Konsistorium zu Hannover. Festschrift zur Erinnerung an seinen 200. Geburtstag. Landeskirchenamt, Hannover 1991

Landeskirche Hannover: Geschichte der Evangelische-lutherischen Landeskirche Hannovers; URL:www.evlka.de/geschichte/kirchengeschichte/Meybeier, Wolfgang: Siedlungskundliches über den Papenteich. Schriftenreihe d. Landkreis Gifhorn u. d. Kreisarchives Gifhorn Nr. 6, Gifhorn, 1994, 1996 u. 2004

Nolte, Axel u. Dietrich Nolte: Informationen zur Kirche in Meine vor 1850. Ansichten, Grundrisse, Sitzverteilungen; Wandtafel an der Nordseite der Kirchen-Innenwand. Ferner: Verlorenes Juwel 1853 abgerissen, Aller-Zeitung v. 6.11.1997 über Axel Nolte

Rinkel, Willi: Grafschaft Papenteich im Derlingau. Kreiskalender Gifhorn 1967 S.25-31 (ebenfalls in: Klose, H.(Hrg.) 1983: Geschichtliches aus dem Papenteich. Festschriftr 100 Jahre Zuckerfabrik Meine, S75-80)

Rinkel, Willi: In der Kirche Meine ging es einst um die Stühle. Die alte Baugeschichte von Meine. Kreiskalender Gifhorn 1984, S.93-95

Rinkel, Willi: In Meine blieb es bei einem Turm. Bausorgen vor 100 Jahren. Kreiskalender Gifhorn 1985, S.126-128

Spennenmann, Wilhelm: In Ochsendorf gab es oft großen Gerichtstag. Kreiskalender Gifhorn 1984, S.79-81

 

Weitere Informationen: Kirchengemeindelexikon Meine