Ich will von deiner Lieblichkeit bei Nacht und Tage singen,

mich selbst auch dir nach Möglichkeit zum Freudenopfer bringen.

Mein Bach des Lebens soll sich dir und deinem Namen für und für in Dankbarkeit ergießen;

und was du mir zugut getan, das will ich stets, so gut ich kann, in mein Gedächtnis schließen.

Paul Gerhard

 

Er hat wirklich kein leichtes Leben gehabt, der Paul Gerhardt. Vor 400 Jahren hat er gelebt und Unmengen Lieder im Evangelischen Gesangbuch verdanken wir ihm. Dabei hatte er es echt nicht leicht. Als er 10 war, begann der dreißigjährige Krieg – und dauerte eben dreißig Jahre… fast ein halbes Menschenleben Krieg und Leid, Zerstörung, Plünderung, Vergewaltigung – dazwischen Pest und Pocken. Mit 12 Jahren verlor er den Vater, mit 14 die Mutter. Von seinen fünf Kindern überlebte nur eines.

Doch was schreibt er da für Liedtexte? Zu der Zeit, als er das Lied „“Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder“ schreibt, aus dem auch die Liedstrophe oben stammt, arbeitet er in Berlin – eine seiner Aufgaben ist es, die Totenbücher zu führen, denn Berlin ist durch Krieg und Krankheiten von 12.000 Einwohnern auf 5000 Einwohner geschrumpft. So viele Tote – so viele Namen – und hinter jedem ein Schicksal… eine schreckliche Zeit. Und was schreibt Paul Gerhardt in dieser Zeit? Er beschwört die Erinnerung an alles Gute, was Gott ihm und uns Menschen geschenkt hat. Er sieht das Leid um sich herum, aber er blickt darüber hinaus. Es ist eine Willensentscheidung seinerseits: ich will mich nicht bestimmen lassen von all dem Schlechten um mich herum. Ich vertraue fest darauf, dass das nicht alles ist. So wie der Tod Jesu am Kreuz nicht das Ende war, sondern die Auferstehung folgte – so will ich glauben, dass Gott, der mir im Leben schon so oft geholfen hat, mich auch in schweren Zeiten begleitet und es am Ende, ganz am Ende, wieder gut wird. Anders zwar, aber gut.

Kann uns das nicht ein Vorbild sein in der heutigen Zeit?

Ich jedenfalls möchte das gerne: nicht im Leid und Klagen über das Negative hängen bleiben, sondern weiter sehen – sehen auf Gottes Gnade, die ich nicht verstehe, aber der ich vertrauen möchte. So einen Glauben hätte ich auch gerne.

Oder, wie es in Psalm 51 heißt: „Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“ Und im Johannesevangelium wird uns versprochen: „Eure Traurigkeit soll zur Freude werden.“ (Joh 16, 20)

Bitte, Gott, stärke meinen Glauben, dass er mir die Kraft gibt, auch in schwierigen Zeiten die Hoffnung und Freude im Herzen zu bewahren. Amen.