St. Stephani-Kirchengemeinde

Die Kirchengemeinde zählt (Stand Juli 2012) 4300 Gemeindemitglieder. Zur Kirchengemeinde gehören Vordorf als Kapellengemeinde und die Orte Abbesbüttel, Ohnhorst, Gravenhorst, Wedelheine, Wedesbüttel, Martinsbüttel, Meine und Meinholz.

Namensgeber war der Heilige Stephanus. Er war der erste Diakon in der urchristlichen Gemeinde. Er wurde zum ersten Märtyrer, d.h. er war der erste Mensch , der für seinen christlichen Glauben getötet wurde. Am 26. Dezember, also dem 2. Weihnachtsfeiertag, wird seiner gedacht.

Der Name kommt also aus dem lateinischen: Ecclesia sancti Stephani heißt übersetzt: Kirche des heiligen Stephanus (Kirche des, lat. Genitivendung i, heiligen Stephanus). Kirche St. Stephani.

Die Kirchengemeinde wird vom Kirchenvorstand geleitet. Zum Kirchenvorstand gehören der Pastor, qua Amt, 5 gewählte und zwei berufene Kirchenvorsteher, der Kapellenvorstandsvorsitzende aus Vordorf und der Patron.

Um 800 (802) entsandte Bischof Hilgrim von Hildesheim, der auch Bischof von Halberstadt war, Missionare in diese Gegend. Meine wurde eine Archidiakonatsgemeinde, weil diese Missionszelle von Halberstadt ausgehend gegründet wurde. Alle von Halberstadt aus gegründeten Gemeinden wurden Kirchen des heiligen Stephanus. Also bekam die Gemeinde in Meine den Namen St. Stephani. Von hier aus fand die Missionierung der umliegenden Dörfer statt. Auch neue Dörfer wurden von Meine ausgehend gegründet. Alle Orte, die von Meine aus missioniert wurden, nannten St. Stephani in Meine „Materkirche“, aus dem lateinischen MUTTERkirche.

In 540 Jahren, also von 802 bis 1340, gingen 14 Tochtergemeinden aus Meine hervor: 942 Fallersleben, 1160 Ehmen, 1212 Bienrode, 1226 Ribbesbüttel, hierzu zählte auch Rötgesbüttel, das bis 19   zur Kirchengemeinde Meine gehörte, 1248 Wettmershagen, 1248 Essenrode, 1265 Isenbüttel, 1269 Gifhorn, 1318 Sülfeld, 1340 Bevenrode; auch Grassel Waggum und Velpke. Meine galt in dieser Zeit als reiche Pfarre. Bis zur Reformation waren diese Gemeinden katholisch.

Die Reformation (1517 – 1648),

die mit der Veröffentlichung der Thesen des Dr. Martin Luther am 31.10. 1517 in Wittenberg begann, brachte religiöse und kirchliche Veränderungen mit sich. War bis zu diesem Zeitpunkt der Papst das Oberhaupt der Kirche, änderte sich dies im Jahre 1524 für Meine. Zu diesem Zeitpunkt trat das Oberhaupt des Fürstentums Lüneburg, zu dem der Papenteich, also auch Meine gehörte, zum Protestantismus ( dazu gehörten Lutheraner und Reformierte) über. Der Landesfürst bestimmte also mit seiner Kirchenzugehörigkeit die Kirchenzugehörigkeit seiner Untertanen. Die Kirchenleitung übernahm ein Konsistorium, das war eine Verwaltungsbehörde, in der Laien ausgeschlossen wurden. Ihr Sitz befand sich in Hannover.

Zur Geschichte des Gebäudes

gibt es keine Aufzeichnungen. Diese findet man erst zu und nach dem Bau des Kirchengebäudes, wie wir es jetzt vorfinden. Jedoch ist überliefert, dass der älteste Teil der Kirche der Unterbau des Turmes ist. 1458 wird als Entstehungsjahr genannt. Daran angebaut war eine einer Basilika nachempfundene Kirche aus Holz, in östlicher Richtung. Ihre Ausmaße waren 39 Meter in der Länge und 8 Meter in der Breite. An die Nordseite (kühl) war ein Leichenhaus angebaut, denn gleich daneben auf dem Kirchhof befand sich der Friedhof.

Schon im Jahr 1502 wurde eine Glocke angeschafft. Wir wissen, dass sie von Gerdt Wou gegossen wurde, der auch die Glocken des Braunchweiger Doms geschaffen hat. Auf dem Rand der Glocke befindet sich eine Inschrift in altlateinischer Sprache die so viel bedeutet wie: „ Als man eintausend und fünfhundert und zwei als Jahreszahl führte, goss Gerdt Wou den Jacobus, wie du am Kunstwerk siehst“. Um 1910 wurde eine weitere Glocke angeschafft, die 1943 eingeschmolzen wurde, um Kanonen daraus zu machen. 1990 wurde sie wieder ersetzt durch eine neue Glocke.

Um 1530 hatte die Kirche noch keine Sitzplätze für die Gemeinde, so war es in der damaligen Zeit üblich. Das Volk konnte dem Gottesdienst nur stehend folgen.

Ein Stuhlregister aus dem Jahre 1730 deutet auf Sitzplätze hin. Das Stuhlregister weist darauf hin, dass die „guten“ Plätze, oben, in der Prieche (Empore), den Männern vorbehalten waren, die Frauen unten im Kirchenschiff zu sitzen hatten. Im Jahre 1734 wird davon berichtet, dass es 544 Plätze in der Kirche gab. Das reichte den Meinern bei 1338 erwähnten Gemeindemitgliedern nicht aus, denn zu dieser Zeit ging noch jeder am Sonntag in die Kirche.

Im Jahre 1841 forderten die Meiner mehr Sitzplätze! Ein Antrag ging an das königliche Konsistorium in Hannover. Man fand kein Gehör. Aber die Meiner ließen nicht locker!

1852 wurde ein erneuter Antrag an das Konsistorium in Hannover gestellt.

Vorausgegangen waren lange Diskussionen im Kirchenvorstand, denn eigentlich sollte die Kirche nur erweitert werden. In der Sitzung des Kirchenvorstandes am 28.09.1853 entschied man sich für einen Neubau. Hierfür erging der Antrag nach Hannover.

Im Dezember 1853 wurde der Vertrag für einen Neubau unterschrieben.

Einen Tag nach Ostern 1854 sollte mit dem Abbruch begonnen werden.

Den Einweihungstermin legte das Konsistorium aus Hannover auf Michaelis (29. September) 1855 fest.

Die Kirche wurde nach den Bauplänen der Uetzer Kirche gebaut. Auch schon zu diesen Zeiten war der Kirchenvorstand darauf bedacht, so wenig Kosten wie möglich zu verursachen. Deshalb baute man nach einer Blaupause des Grundrisses der Kirche von Uetze und sparte so die Kosten für den Entwurf. Es sollte eine zweigeschossige Kirche im klassizistischen Stil, mit einer Größe von 16 m mal 24 m mit Holzsprossenfenstern und ohne Seitenzugänge werden.

Nachdem das Konsistorium am 11.04.1854 dem Bauvorhaben zustimmte, wurde der Bauunternehmer Lohmann beauftragt, unter der Aufsicht von Baurat Hellner, mit dem Bau zu beginnen. Baurat Hellner wurde vom Konsistorium damit beauftragt über den Bau zu wachen, damit alle vorgegebenen Maßnahmen eingehalten werden sollten.

Schon früh setzte der Kirchenvorstand sich über die vorgegebenen Bedingungen hinweg und eine Veränderung des Bauplanes wurde vorgenommen. Denn durch den Aufgang zu den Priechen (Emporen) ging von der Gesamtgröße der Kirche so viel weg, dass die gewünschte Anzahl der Plätze nicht erreicht wurde. Deshalb erweiterte man den Bau um 3,8 Meter. Als das Konsistorium davon hörte, ordnete es eine Prüfung durch Baurat Hellner an. Er wurde aber krank und konnte die Prüfung nicht zeitnah vornehmen. Als er dann nach Meine zur Überprüfung kam, wurden in der Kirche schon Putzarbeiten vorgenommen; der Bau war vorangegangen. Baurat Hellner konnte dann nur noch anerkennend feststellen, dass „Der Meiner Kirchenbau ein glückliches Ereignis “ war. Denn die entstandenen Proportionen von Höhe zu Breite zu Länge, die mit diesem Bau auf das Verhältnis 2 : 3 : 4 gebracht waren, entsprachen nach seiner Meinung einem idealen Verhältnis.

Im Oktober 1854 gab es einen Disput zwischen Kirchenvorstand und Konsistorium über die Ausführung der Altarwand und der Kanzel.

Das Konsistorium wollte die Kanzel links oder rechts von der Altarwand angebracht wissen. Der Kirchenvorstand wollte die Kanzel in der Mitte der Altarwand haben. Argument des Kirchenvorstands war die Aussage, dass bei seitlicher Position der Kanzel Gemeindeglieder, die auf der Prieche saßen, nicht sehen konnten. Das Konsistorium argumentierte: Der Prediger sollte nicht auf dem Altar „stehen“.

Baurat Hellner machte hierzu einen Vorschlag:

1. Es sollte eine selbststehende Altarwand gefertigt werden

2. Die Kanzel sollte in die Mitte der Altarwand, in Höhe der Priechen angebracht werden

3. Der Altartisch sollte 4-5 Fuß ( = 1-1,5 m ) von der Altarwand entfernt stehen; also in den Chorraum versetzt. So braucht „der Prediger den Altar nicht mit Füßen treten“ meinte Hellner.

Hellner entwarf die Altarwand nach dem Uetzer Vorbild, doch in Vielem kostengünstiger. Die Altarwand wurde am 10. September 1855 aufgestellt.

Die Einweihung der Kirche war am 18. September 1855. Der Gottesdienst zur Einweihung fand mit Gesang und Instrumentalmusik statt. Es gab ja noch keine Orgel.

Schon damals erkannten die Mitglieder des Kirchenvorstandes, dass die Orgel das tragende Instrument bei den Gottesdiensten ist. So gab es 1855 einen Kirchenvorstandsbeschluss, eine Orgel anzuschaffen. Sie sollte bis Herbst 1856 angeschafft und!! bezahlt sein. Und auch schon in dieser Zeit gab es Menschen in der Kirchengemeinde, die ihr gesetztes Ziel stringent verfolgten. So wurde tatsächlich 1856 die vom Elzer Orgelbauer Phillip Furtwängler gebaute Orgel eingeweiht. 1970 und 1993 wurden größere Reperaturen an der Orgel vorgenommnen. Auch jetzt steht eine große Orgelsanierung ins Haus. Die Kosten sollen ca 80.000 Euro betragen. So Gott will, wird auch dieser Kraftakt der Finanzierung gemeistert.

Beim Neubau der Kirche wurde der Turm nicht berücksichtigt, obwohl er stark sanierungsbedürftig war. So kam es dazu, dass 1868 ein Gutachten zur Sanierung des Turmes erstellt wurde. 1870 wurde dann im Kirchenvorstand beschlossen, den Turm zu sanieren. Damit beauftragt wurde Maurermeister Schaumann aus Gifhorn.

Auf den alten unteren Teil aus Bruchsteinen sollte ein Holzfachwerk aufgesetzt werden, dass mit Ziegeln (Backsteinen) verblendet werden sollte. Gleichzeitig sollte der Turm auf 42 Meter Höhe erweitert werden. Der Bau begann. Der Kostenanschlag von 2.625 Taler erhöhte sich im Laufe der Bauzeit auf 7.700Taler, das entspricht ca 1,2 Millionen Euro.

                                                                                    

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